Persönlichkeit ist Trend: Zwischen Individualisierungswahn und Selbstfindung

Sich von der Masse abzuheben und seine eigene Persönlichkeit auszuleben hat für viele heute einen enorm großen Stellenwert. Wenn die Einzigartigkeit dabei so angesagt ist wie heute, wird es immer schwieriger, individuell zu sein. Doch was ist das überhaupt? Wie individuell sind wir eigentlich? Selbstoptimierung liegt ebenfalls im Trend. Doch laufen wir dabei nur den Zielen und Wunschvorstellungen anderer hinterher oder ist das wirklich geeignet um uns selbst ein Stück weit näher zu kommen?

Jeder Mensch verfügt bereits über die genetische Veranlagung über eine gewisse eigene Persönlichkeit. Der Einfluss durch die Erziehung und Erfahrungen, die wir im Laufe des Lebens machen, wirkt hier jedoch noch viel stärker. Vor allem auf dem Weg zum Erwachsenwerden sind wir auf der Suche nach unserer eigenen Identität. Doch immer wieder durchlaufen wir im Leben Phasen, in denen wir unsere Persönlichkeit weiterentwickeln und verändern. Starke Persönlichkeiten und das Zeigen der eigenen Individualität stehen heutzutage hoch im Kurs. Dabei ist es nicht einfacher geworden, wirklich zu sich selbst zu finden.

Die Individualisierung der Gesellschaft

Das Stichwort Individualisierung ist heute zu einem Megatrend geworden. Es gibt in unserem Kulturkreis kaum noch einen Bereich, in dem der Begriff nicht auftaucht. Der Wunsch, einer ganz bestimmten Gruppe zuzugehören und sich der Gemeinschaft unterzuordnen ist abgelöst worden vom Trend, sich bewusst von anderen abzuheben und als einzelnes Individuum wahrgenommen zu werden. Seine eigenen Wünsche nach außen zu tragen und sich auszuleben spielt eine wichtige Rolle für viele.

Was vorher klar voneinander abgegrenzt war, zeigt sich heute viel differenzierter. Die zunehmende Komplexität der Welt spiegelt sich auch in der Gesellschaft wider und in den Möglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen, ein selbstbestimmtes und individuelles Leben zu führen.

Selbstinszenierung und personalisierte Produkte

Wer heute auffallen will, hat es schwer. Wenn jeder versucht, anders und einzigartig zu sein, ist beinahe das Normale schon wieder besonders. Noch vor einigen Jahren galten tätowierte Menschen beispielsweise als Exoten, sie umgab ein Hauch von Verruchtheit oder auch Zwielichtigkeit. Heute ist diese Form der Körperverzierung in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Da gehören beinahe jene schon zur selteneren Spezies, die noch eine jungfräuliche Haut aufweisen können. Zwei Punkte zeigen die Individualisierung in der Gesellschaft in besonderer Weise:

Selbstdarstellung:
Gerade das Äußere, das Gestalten und Inszenieren des Ichs durch die Kleidung oder eben auch Körperschmuck ist einer der wichtigsten Punkte bei der Darstellung seiner eigenen Persönlichkeit. Aber wir versuchen auch durch unser Verhalten bei der Interaktion mit anderen eher im Gedächtnis zu bleiben, um nicht in der Masse unterzugehen.

Individuelle Produkte:
Der Markt reagiert auf diese Entwicklung mit immer mehr Möglichkeiten, Produkte zu personalisieren. Die digitale Technik lässt uns unser Müsli ganz nach unserem Geschmack zusammenstellen, das Auto in der Wunschfarbe bestellen oder die Kosmetikverpackung mit einem individuellen Motiv bedrucken. Dabei fühlen wir uns vom jeweiligen Hersteller einfach so gut verstanden. Die passgenauen Artikel kaufen wir dann noch viel lieber.

Individualität wird zum Mainstream

Früher war die Berufswahl durch den Stand oder die Tätigkeit der Eltern bereits vorbestimmt. Auch bei der Partnerwahl waren die Menschen durch die fehlende Mobilität im Vergleich zu heute stark eingeschränkt.

Individualität wird zum Mainstream

Die Soziologie versteht unter der Individualisierung hauptsächlich den Aspekt, mit bestehenden Konventionen und traditionellen Strukturen zu brechen. Statt sich an herkömmlichen Gepflogenheiten zu orientieren werden eigene Wege für seine persönliche Lebensgestaltung gesucht und ausprobiert. Das Individuum wird dabei stärker in den Fokus gerückt.

Heute können wir in der Regel selbst bestimmen, was wir aus unserem Leben machen. Der Druck, eine gute Ausbildung zu absolvieren und einen guten Job zu bekommen ist heute allerdings ebenfalls gewachsen. Um sich im Kampf um die besten Arbeitsplätze von den Mitbewerbern zu unterscheiden ist es deshalb ebenfalls wichtig, individuelle Stärken herauszuheben und diese nach außen zu kommunizieren. Persönlichkeit zählt heute mehr denn je auf dem Karriereweg.

Dennoch greifen wir dabei zumeist auf bekannte Codes oder Ausdrucksmöglichkeiten zurück oder orientieren uns unbewusst an Trends, die uns die Medien tagtäglich propagieren. Wie viel unserer tatsächlichen Persönlichkeit am Ende nach außen gespiegelt wird, hängt deshalb vor allem auch davon ab, wie gut wir uns selbst kennen.

Individuell kann ich am besten allein sein…

Gerade in Städten und großen Metropolen sind Menschen mit einer Vielzahl an sozialen Kontakten konfrontiert, wobei sich die Zeit der gemeinsamen Interaktion meist auf ein Minimum beschränkt. Dabei bekommen wir umso mehr das Gefühl, nur einer unter vielen zu sein. Je kleiner der Kreis der sozialen Kontakte hingegen ist, umso weniger Vergleichsmöglichkeiten kommen auf uns zu.

„Individuell kann ich am besten allein sein“, das hatten Die Fantastischen Vier bei ihrem Song „Sieh dich im Spiegel an“ schon treffend festgestellt. Ohne Einfluss von außen wird es einfacher sich auf sich selbst zu konzentrieren und herauszufinden, was die eigene Persönlichkeit tatsächlich ausmacht. Orientierung spielt zwar bei der Selbstfindung eine wichtige Rolle, doch ein Zuviel an Möglichkeiten kann auch zu Planlosigkeit und Überforderung führen.

Auf uns selbst gestellt hingegen müssen wir unser Selbst alleine erarbeiten und Ausdrucksmöglichkeiten finden. Dabei muss Kreativität gezeigt werden und oftmals bilden sich viel eigenständigere Wege.

Trends und gesellschaftliche Konventionen – Anpassen oder Abgrenzen

Trends und gesellschaftliche Konventionen

Denn der Einfluss von Trends oder verschiedenen allgemein verbreiteten Gewohnheiten ist größer, als wir das vielleicht denken. Vor allem, weil heute viele Konventionen entstanden sind, die ein modernes Gesicht zeigen und wenig mit althergebrachten Traditionen zu tun haben. So lässt sich einfacher ein anderes Leben führen als etwa für unsere Eltern, auch wenn dies dabei dann gar nicht mehr so außergewöhnlich ist, weil viele sich genauso entschieden haben.

Allzu einfach ist es dabei, dennoch wieder auf Anregungen und fertige Modelle anzuspringen und diese für sich selbst zu übernehmen. Trends nehmen uns dabei die schwierigen Entscheidungen ab und dienen als willkommene Orientierungshilfe bei der permanenten Reizüberflutung. Die Frage, die sich uns stellt beschränkt sich dann lediglich darauf, ob wir uns den Trends unterwerfen oder uns ganz bewusst davon distanzieren. So oder so wird das Ganze heute zu einem persönlichen Statement hochstilisiert.

In diesem Zusammenhang ist der Begriff „Patchwork Identität“ entstanden. Statt sich wie früher einer einzigen Gruppe zugehörig zu fühlen, ist es heute ganz normal, sich mehrere verschiedene – oftmals auch widersprüchliche – Lebensentwürfe zu eigen zu machen, oder in verschiedenen Subkulturen gleichzeitig zuhause zu sein. Da wir heute viel mehr Einflüssen von außen ausgesetzt sind, verändern wir uns im Laufe unseres Lebens auch stärker oder häufiger als früher. Die eigene Identität wird vielschichtiger, denn es werden beispielsweise durch Ortswechsel oder auch häufige Jobwechsel viele neue und unterschiedliche Erfahrungen gesammelt.

Individualität ausdrücken

Kleidung galt schon immer als Ausdrucksmittel eines bestimmten Status oder als Erkennungsmerkmal für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Die Mode verwendet Details und Kennzeichen, die verschiedenen Strömungen der Gesellschaft zugeordnet werden können oder auf andere Weise eine bestimmte Botschaft transportieren. Farben und Formen haben ihre spezielle Bedeutung, aber auch andere Punkte sind mit ganz eigenen Konnotationen verknüpft.

Individualität ausdrücken

Auf diese Weise können wir uns mit den Kleidern quasi eine spezielle Identität überstreifen. Inwieweit diese dabei tatsächlich unserer eigenen Persönlichkeit entspricht, oder ob wir uns dabei nur verkleiden entscheiden wir bei der Auswahl der Klamotten jedes Mal aufs Neue.

Mode wurde dabei auch schon immer benutzt, um sich von gesellschaftlichen Konventionen zu distanzieren. Die Punkbewegung mit ihrem auffälligen Kleidungsstil ist dafür ein deutliches Beispiel. Doch mit der zunehmenden Individualisierung ist es heute schwieriger geworden, immerhin sind bunte Haare seit einiger Zeit zu einem Trend geworden.

So ändern sich die Bedeutungen im Laufe der Zeit oder bekommen in einem anderen Kontext einen neuen Sinnzusammenhang. Der Casual-Look ist hierfür ein passendes Beispiel für die Veränderungen von Kleidertrends und ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz. Trainingsbekleidung wird schon lange nicht mehr nur auf dem Sportplatz oder im Fitnessstudio getragen, es ist zur Alltagskleidung einer ganzen Generation geworden. Sneakers etwa – vor einigen Jahrzenten noch lediglich Markenzeichen bestimmter Subkulturen – können heute in gewissen Branchen auch zum Anzug kombiniert werden.

Der lässige Casual-Look hat sich vom Freizeitoutfit zum allgemein verbreiteten Kleidungsstil gewandelt. Neue Trends weichen die Grenzen des „Erlaubten“ oder Akzeptierten immer weiter auf. Großen Einfluss haben dabei die regelmäßigen Modeschauen. Was auf den Laufstegen präsentiert wird, ist zwar zunächst neu, findet sich jedoch bald darauf in den Kleiderschränken der Trendsetter und nicht viel später in den Regalen der Boutiquen und Modeketten wieder. Dabei sind aktuell beispielsweise noch weitere Anleihen aus der Sportwelt zu sehen.

Nach den Hoodies werden jetzt auch Basketballshirts oder Oberteile im Schiedsrichter-Look straßentauglich. Die Jogginghose hat hier ohnehin schon seit längerem einen Platz erobert. Sie hat einen ähnlichen Wandel durchgemacht wie die Jeans bereits vor längerer Zeit. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis die Trainingsklamotten ihr etwas „schmuddeliges“ Image für immer verloren haben. Dieser Übergang wird dank der Modeindustrie ganz subtil vollzogen. Indem oft nur einzelne Stilelemente benutzt und in einen neuen Kontext gestellt werden, bekommt ein bestimmtes Outfit einen ganz neuen Charakter.

Waren etwa Badeschlappen früher bei der jüngeren Generation verpönt, sind sie heute mit einem passenden stylischen Makeover total angesagt. In bunten Farben und ausgestattet mit Plüschstoff oder Puscheln haben sie ihr ursprünglich biederes Image verloren. Das Camouflage-Muster hingegen hat seinen Weg von der Ausrüstung des Militärs zum modernen Großstadtkrieger gefunden.

Lebensstil als Abgrenzung

Die individuelle Lebensweise dient ebenfalls dazu, seiner Individualität Ausdruck zu verleihen. Nach und nach wird jedoch auch hier die Luft dünner. Nachdem frühere Lebensstile wie vegetarische oder vegane Ernährung, exzessives Sporttreiben oder auch die DIY-Mentalität von den Medien als Trend aufgegriffen wurden, sind sie ebenfalls im Mainstream angekommen. Auch wenn sich hier oft ein Wechsel vom einen zum anderen Stil entwickelt, können heute munter die verschiedensten Konzepte ausprobiert werden.

Die Gesellschaft ist in diesem Punkt toleranter geworden. Auch wer eine Zeitlang strikt auf Fleisch verzichtet und seine Position dabei glühend verteidigt hat, wird heute nicht mehr verurteilt, wenn nach einiger Zeit wieder tierische Produkte verzehrt werden. Die Glaubwürdigkeit ist dabei eher davon abhängig, wie stark wir eine bestimmte Rolle aktuell auch verkörpern.

Insgesamt eröffnet dieses „Ausprobieren können“ jedoch auch die Möglichkeit, zu erforschen, wo wir mit unseren persönlichen Bedürfnissen und individuellen Eigenschaften am ehesten zuhause sind.

Die Suche nach der eigenen Identität

Der Prozess der Selbstfindung wird heute viel deutlicher auf die gesamte Lebenszeit ausgedehnt. Zunehmend mehrere Beziehungen statt einer lebenslangen Ehe, berufliche Unsicherheit oder auch das Zusammenwachsen der Welt und der dadurch verstärkte Austausch zwischen den einzelnen Kulturen haben dabei eine große Bedeutung.

Vor allem die jahrhundertealten festgelegten Rollenbilder sind heute am Aufbrechen. Frauen machen Karriere, Männer kümmern sich um die Kindererziehung, gleichgeschlechtliche Ehen werden erlaubt – all diese Punkte wirken sich nachhaltig auf die gesellschaftlichen Strukturen aus. Wenn die Gesellschaft dabei selbst einem starken Wandel unterworfen ist, wird die Aufgabe, seinen Platz darin zu finden umso schwerer.

Einflüsse von außen – Chance oder Bürde?

Einflüsse von außen – Chance oder Bürde?

Das Austesten verschiedener Möglichkeiten lässt uns manchmal Seiten an uns entdecken, die wir nicht kennengelernt hätten, wenn wir strikt nur einem Weg folgen würden. Sie bieten uns eine große Freiheit, unsere Individualität auszuleben – auf viel einfachere Weise und mit größerer gesellschaftlicher Akzeptanz als früher.

Allerdings macht dies viele Menschen auch sehr orientierungslos. Die riesige Auswahl zwingt uns dazu, ständig neue Entscheidungen treffen zu müssen. Gleichzeitig bleiben viele dadurch auch einfach sehr vage. Sich nicht festlegen zu müssen wird selbst zum Lebenskonzept. Das ständige Ausprobieren lässt sie ziellos durchs Leben streifen, ohne dabei jemals so richtig zur Ruhe und zu sich selbst zu kommen.

Insgeheim bleibt doch trotz aller Individualität der Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Seien es irgendwelche Trends oder Subkulturen – die Einschätzung von außen, Rückmeldung und Interaktion mit anderen spielt bei der Identitätsfindung ebenfalls immer noch eine Rolle. Das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit lässt sich durch eine gesteigerte Selbstdarstellung nicht stillen. Die große Zahl an Singles heutzutage sind zum großen Teil auf der Suche nach einer dauerhaften Partnerschaft.

Die Rolle von Vorbildern

Sich an irgendetwas oder irgendwem zu orientieren, ist dabei ebenfalls eine Option. Vorbilder haben schon immer als Inspirationsquelle gedient, sei es durch ihr Verhalten oder verschiedene Werte, die sie verkörpern. Die Eltern oder andere nahestehende Personen sind dabei zunächst in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sehr wichtig. Ob wir es wollen oder nicht, prägen sich in dieser Zeit bereits grundlegende Dinge, die uns unser ganzes Leben über begleiten werden.

Später dann werden Vorbilder bewusster ausgewählt. Personen, die wir bewundern, animieren uns dazu, ihnen nachzuahmen. Dabei können sie uns beispielsweise motivieren verschiedene Eigenschaften zu entwickeln oder uns Verhaltensweisen anzueignen, die unsere Persönlichkeit in gewisser Weise erweitern.

Durch die Rolle, die das jeweilige Vorbild verkörpert, kann sich näher mit den charakteristischen Eigenschaften auseinandergesetzt werden. Die jeweiligen Lebenskonzepte können analysiert und darauf überprüft werden, ob sie mit der eigenen Persönlichkeit vereinbar sind.

Das optimierte Ich

Sich selbst weiterzuentwickeln und stetig zu verbessern ist heute ebenfalls zu einem weit verbreiteten Phänomen geworden. Wenn dabei übertrieben wird, kann von einem regelrechten Selbstoptimierungswahn gesprochen werden. Dafür gibt es verschiedene Auslöser:

Gesellschaftlicher Druck:
Bereits kleine Kinder werden heute auf Erfolg getrimmt. Gute Leistungen in der Schule sind wichtig um später einen guten Job zu bekommen. Eine weitere Fremdsprache oder zusätzliche Fähigkeiten, mit denen man sich von anderen Bewerbern abhebt, können im entscheidenden Moment den gewünschten Vorteil darstellen. Höher, schneller, besser – dies ist inzwischen in vielen Bereichen unserer leistungsorientierten Gesellschaft zum Standard geworden.

Technische Möglichkeiten:
Die zunehmende Technisierung und Digitalisierung der Welt hat viele neue Möglichkeiten geschaffen, sich mit anderen zu vergleichen. In vielen Bereichen ist unser Tun oder auch unser Aussehen messbar geworden. Fitnesstracker, die unsere Trainingsergebnisse aufzeichnen, virtuelles Kräftemessen durch posten seines aktuellen Status bei den sozialen Netzwerken, der optimierte Schlaf mit Unterstützung einer Smartphone-App: Digitale Raster geben eine Skala vor, die es möglich macht Leistung einzuordnen, zu bewerten und mit der von anderen zu vergleichen.

Diese Vergleichsmöglichkeit ist Fluch und Segen zugleich. Sie kann uns einerseits motivieren, nach höherem zu streben und uns stetig zu verbessern. Sie kann uns aber auch gehörig unter Druck setzen, wenn wir uns dadurch ständig in der Pflicht fühlen, etwa einem nie erreichbaren Ideal hinterherzujagen.

Wieviel Ego kann ich mir leisten?

Das Umfeld spielt bei der Definition des Ichs eine große Rolle. Wie uns andere einschätzen und welche Meinung sie über uns haben, gilt als wichtige Rückmeldung auf unser Verhalten und unser Wirken nach außen. Dabei übernehmen wir jedoch oft die Erwartungshaltung anderer uns gegenüber und vergessen nachzuforschen, was wir selbst eigentlich wollen.

Wieviel Ego kann ich mir leisten?

In einer komplexen Welt mit unzähligen neuen Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, die tagtäglich auf uns einprasseln ist es wichtig, ein gesundes Selbstvertrauen zu haben und seine Wünsche und Bedürfnisse im Grunde gut zu kennen.

Allzu oft werden bei den vielen Möglichkeiten heutzutage aus Überforderung, oder weil es der leichtere Weg ist, Vorschläge von außen übernommen, wie wir unser Leben führen könnten. Und dies ohne uns dazu ausreichend Gedanken zu machen, ob dies überhaupt zu uns selbst und unserer Identität passt. Manchmal gefällt uns auch einfach ein Bild zu sehr, welches wir selbst gerne verkörpern würden, doch in Wirklichkeit sind wir das überhaupt nicht.

Der Egoismus, den wir uns leisten sollten, besteht also darin, uns ausreichend auf uns selbst zu konzentrieren, damit wir uns nicht selbst verlieren. Eine oberflächliche Individualisierung, das bloße Übernehmen von Stereotypen, bestimmten Kleidungsstilen oder das Ausprobieren immer noch verrückterer Hobbies mag uns zwar vordergründig von anderen abheben, doch mit einem ehrlichen und wahrhaftigen Selbstbild hat dies nichts zu tun.

Fazit

Seine Persönlichkeit zu entwickeln, sich zu verändern und dazuzulernen gehört zu den grundlegendsten Bedürfnissen des Menschen. Der Prozess ist heute unsteter und komplexer geworden, da wir einer viel größeren Zahl an äußeren Einflüssen ausgesetzt sind. Der Wunsch etwas Besonderes zu sein und in einer Gruppe wahrgenommen zu werden, gehört hier ebenfalls dazu.

Dafür stehen uns heute eine Unmenge an Möglichkeiten zur Verfügung. Möglichkeiten, die wir kaufen können, wie beispielsweise ein bestimmtes Outfit, das unseren Charakter widerspiegelt oder auch ein Auto, das uns einen gewissen Status verschaffen soll. Und Möglichkeiten, wie wir unser Leben führen können, sei es ein bestimmter Ernährungsstil, der bewusste Verzicht, Ballast anzuhäufen oder das Trainieren und Formen unseres eigenen Körpers.

Auf dem Weg zum eigenen Ich ist dabei aber auch Selbstreflexion notwendig. Das bloße Konsumieren und Ausprobieren der Möglichkeiten ist zwar der einfachere Weg, oftmals bleibt unsere wahre Persönlichkeit dabei jedoch auf der Strecke. Ohne uns damit auseinanderzusetzen, was wirklich zu uns passt, womit wir uns tatsächlich am wohlsten fühlen und welches unsere stärksten Charakterzüge sind, werden wir unsere Identität auf Dauer verleugnen. Persönlichkeit zu zeigen bedeutet auch, mit sich selbst im Reinen zu sein. Auch wenn wir dabei herausfinden, dass wir uns vielleicht im Mainstream viel eher aufgehoben fühlen, denn als bunter Exot, der aus der Menge hervorsticht.

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