Lücken im Lebenslauf schließen – 15 erfolgreiche Tipps & Tricks

Patchwork-Karrieren sind heutzutage eher die Regel als eine Ausnahme. Kaum jemand tritt unmittelbar nach Studium oder Ausbildung eine Festanstellung an und bleibt bis zur Rente in ein und demselben Job. Vielleicht hast du dein Studium zugunsten einer Ausbildung abgebrochen. Oder der Schritt in die unternehmerische Selbständigkeit hat sich als Fehlentscheidung erwiesen, sodass du ins Angestelltendasein zurückkehren willst. Möglicherweise dauert es nach einer betriebsbedingten Kündigung Monate, bis sich endlich eine neue Chance bietet. Auch Krankheiten sorgen für ungewollte Auszeiten.  Brüche, Branchen- und Unternehmenswechsel, Zeitarbeit und Jobhopping sind keine Seltenheit. In Zickzack-Lebensläufen bleiben Lücken nicht aus. Wie geht man damit am besten um? Wir verraten dir 15 erfolgreiche Tipps und Tricks.

Als Lücke im Lebenslauf gelten nicht durch berufliche Tätigkeiten belegte Zeiten ab zwei Monaten. Kürzere Phasen entstehen durch ausgedehnte Urlaube, Bewerbungsphasen oder Umzüge. Danach wird kaum jemand fragen. Alles, was über acht Wochen hinausgeht, macht Personaler allerdings misstrauisch und wird erklärungsbedürftig. Lügen solltest du nicht. Zum einen kostet dich das deine Glaubwürdigkeit, wenn es auffliegt (und das passiert früher oder später immer). Zum anderen sind falsche Angaben im Lebenslauf ein Kündigungsgrund. Am einfachsten und besten ist es, Lücken gar nicht erst entstehen zu lassen. Manchmal sind sie allerdings nicht zu vermeiden. Dann bleibt nur, die Gründe dafür möglichst plausibel dazulegen.

Geeignete Lückenfüller auf einen Blick

  • Fortbildungen (IHK, Arbeitsamt etc.)
  • Studium (Zweitstudium, Fernstudium, Selbststudium, Gasthörer an der Uni)
  • Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit
  • Sprachkurse
  • Praktika
  • Neben- bzw. Aushilfsjobs
  • Ehrenamtliche Tätigkeiten
  • Sprachreisen und Auslandsaufenthalte (Verbesserung der Sprachkompetenz)
  • Schwere Krankheit
  • Pflege von Angehörigen
  • Mitarbeit im Familienbetrieb
  • Familienphase
  • Eigene Krankheit

LÜCKEN IM LEBENSLAUF - Wie verhalten sich Bewerber? Was sagen Lücken aus?

Tipp 1: Lücken aufgrund eines Studienfachwechsels im Lebenslauf erklären

Viele junge Menschen haben nach dem Abitur keine feste Vorstellung von ihrer möglichen beruflichen Zukunft. Einige gehen für ein Jahr ins Ausland oder absolvieren ein freiwilliges soziales, ökologisches oder kulturelles Jahr. Das verschafft Zeit zur Orientierung. Zugleich erwirbt man wertvolle Kenntnisse, die bei der Berufsfindung nützlich sein können. Andere beginnen sofort ein Studium, entdecken aber, dass der Studiengang nicht der richtige war. Beim Wechsel des Fachs kann es – abhängig von den an der Universität geltenden Formalitäten und Anforderungen (Numerus Clausus) – zu Wartezeiten kommen. Kein Problem, wenn man die Zeit dazwischen aktiv nutzt. Bemüh dich um Praktika, Nebenjobs oder ehrenamtliche Tätigkeiten, die mit dem aktuell angestrebten Studiengang oder deinem konkreten Berufswunsch zusammenhängen. Vielleicht kannst du sogar ein ohnehin vorgesehenes Pflichtpraktikum vorweg absolvieren.

Tipp 2: Lücken aufgrund eines Studienabbruchs im Lebenslauf schließen

Eventuell entdeckst du nach ein paar Semestern an der Uni, dass dir das Studieren insgesamt nicht liegt. Brichst du das Studium zugunsten einer Ausbildung ab, solltest du bereits einen Platz in Aussicht haben. Andernfalls ist es sinnvoller, eingeschrieben zu bleiben, selbst wenn du nicht mehr zu den Lehrveranstaltungen erscheinst. Das verhindert das Entstehen einer Lücke im Lebenslauf.

Hast du bereits einen Ausbildungsvertrag unterschrieben? Sehr gut. Falls Überbrückungszeit bleibt, biete dich für ein freiwilliges Praktikum im Betrieb vorab an. Nebenjobs sind eine Alternative. Das bringt Geld und zeigt: Du bist aktiv und fleißig.

Tipp 3: Lücken zwischen Ausbildungs- oder Studienende und Berufseinstieg im Lebenslauf beseitigen

Berufseinsteiger genießen eine gewisse Schonfrist. Der erste Job sollte wohlüberlegt ausgewählt werden. Nicht zuletzt entscheidet das Einstiegsgehalt in der Führungsebene mit über den finanziellen Gesamterfolg der Karriere. Findet sich nicht sofort eine passende Stelle, solltest du dich um Hospitationen und Praktika in dem von dir anvisierten Bereich bemühen. Mit unternommenen Sprach- und Bildungsreisen kannst du Lücken ebenfalls glaubhaft schließen. Allerdings solltest du dann auch tatsächlich über weiterführende Sprachkenntnisse verfügen und dich mit dem genannten Land auskennen.

Tipp 4: Lücken wegen Krankheit oder Unfall im Lebenslauf erklären

Ist eine Krankheit oder ein Unfall des Bewerbers schuld an Leerstellen im Lebenslauf, hat jeder Personaler dafür Verständnis. Voraussetzung: Gesundheit und Arbeitskraft sind zum Zeitpunkt der vorliegenden Bewerbung wieder vollkommen hergestellt. Sind in Zukunft Ausfälle wegen Krankheit oder Rehamaßnahmen zu befürchten, wird es mit einer Anstellung schwer. Daher solltest du die vollständige Genesung unbedingt im Lebenslauf deutlich machen. Beispiel: „Auszeit aus gesundheitlichen Gründen. Inzwischen vollständige Wiederherstellung.“ Die tatsächliche Erkrankung muss nicht genannt werden. Sie darf offenbleiben.

Tipp 5: Lücken wegen Pflegeleistungen im Lebenslauf beseitigen

Vielleicht ist ein naher Verwandter schwer erkrankt. Falls Ehepartner, Mutter, Vater, Geschwister oder Großeltern von schweren Krankheiten betroffen sind, bedeutet das für Familien eine große Herausforderung. Phasen der Arbeitslosigkeit, die aufgrund dessen entstehen, lassen sich problemlos mit einem entsprechenden Hinweis auf Pflege und Begleitung erklären: „Intensivpflege meiner Schwester, die 2015 verstarb“. Sinnvoll ist, nachweisen zu können, dass man sich beruflich während dieser Zeit auf dem Laufenden gehalten hat. Dazu trägt das Lesen einschlägiger Fachliteratur bei.

Tipp 6: Lücken wegen unverschuldeter oder selbst verschuldeter Arbeitslosigkeit im Lebenslauf beseitigen

Kurze Phasen der Arbeitslosigkeit in der Vergangenheit stellen kein großes Problem dar. Wurde dir wegen Firmeninsolvenz gekündigt? Das kannst du genauso in deinen Unterlagen zur Sprache bringen: „Kündigung wegen Firmeninsolvenz“.

Erfolgte die Kündigung seitens des Betriebs aus anderen Gründen? Hast du selbst ohne neue berufliche Perspektive gekündigt? Egal, was dahintersteckt: Erwähne es nicht. Es wirft ein schlechtes Licht auf dich. Belasse es bei den reinen Fakten deiner Beschäftigungszeit: „Ich war von 4/2014-1/2017 bei der Holz-Muster-AG als Industriekauffrau beschäftigt.“ Leerstellen füllt man am besten mit passenden Weiterbildungen, Sprachkursen, Sprachreisen, Hospitationen oder Praktika. Nichts wirkt schlechter, als vollkommen untätig geblieben zu sein.

Bei langfristigen Ausfällen wird Bewerbern schnell ein Mangel an Initiative unterstellt. „Arbeitssuchend“ klingt aktiver als „arbeitslos“. Du kannst auch von „beruflicher Neuorientierung“ sprechen.

Tipp 7: Lücken mit der Wunschstelle in Einklang bringen

Beschäftige dich ausführlich mit der Stellenanzeige, auf die du dich bewirbst. Notiere dafür erforderliche Hard Skills und Soft Skills. Wenn du Brüche und Lücken deinem Werdegang schließt, achte darauf, dass die Erklärungen zur Stelle passen.

Tipp 8: Hobbys und Interessen als berufliche Qualifikationen präsentieren

In den meisten Fällen ist arbeitslos nicht deckungsgleich mit beschäftigungslos. Vielleicht hast du in der Zeit ein Hobby ausgeübt und dabei beruflich relevante Kompetenzen erworben? Wer sich für einen Job im Bereich Marketing bewirbt, kann mit Wissen über soziale Medien punkten: „Autodidaktische Weiterbildung im Bereich Social Media Marketing (WordPress, YouTube, Instagram).“

Hast du vielleicht ein Ehrenamt übernommen? Falls du im sozialen Bereich unterkommen willst, sammelst du mit Tätigkeiten wie Vorlesen im Altenheim oder Flüchtlingsbetreuung Punkte. Wer einen Verwaltungsjob anstrebt, braucht seine Tätigkeit als Kassenwart des Fußballvereins nicht verschweigen.

Tipp 9: Vitamin B anzapfen

Manchmal bekommt man den Hinten nicht hoch. Dahinter stecken meist psychische Gründe. Versagensängste, Geldsorgen und Misserfolge können Menschen vorübergehend lähmen. Vielleicht hat dir die Kraft gefehlt, aktiv nach Praktika und Nebenjobs zu suchen oder Hobbys auszuüben. Dann musst du kreativ sein, um deine Untätigkeit im Nachhinein zu beseitigen. Hast du in deiner Familie, Verwandtschaft oder Bekanntschaft Geschäftsleute oder Freiberufler? Vielleicht hilfst du zeitweise im Restaurant deines Onkels aus, hast schon mehrfach in der Hotelküche der Freunde deiner Eltern den Abwasch erledigt, bei deiner älteren Schwester im Büro Ablage gemacht oder unterstützt deine Mutter bei ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Heilpraktikerin? Bitte diese Person um die Ausstellung eines Praktikumszeugnisses zur Erklärung deiner Fehlzeiten. Allerdings funktioniert dieser Trick nur, wenn du tatsächlich über praktische Kenntnisse in den entsprechenden Tätigkeiten verfügst.

Tipp 10: Reisen zur Verbesserung deiner Sprachkompetenz

Bist du ein Sprachtalent und beherrscht eine oder mehrere Fremdsprachen? Dann kannst du privat durchgeführte Reisen zum Ausfüllen von Lücken verwenden. Das aktive Sprechen trainiert man am besten in Ländern, in denen die jeweilige Fremdsprache tatsächlich angewandt wird. Du solltest dann aber auch tatsächlich ohne Sprechhemmung in der genannten Sprache über Reiseerfahrungen Auskunft geben können.

Tipp 11: Auf den roten Faden achten

Es ist keine Lösung, einen schlecht bezahlten Aushilfsjob nach dem anderen zu nennen. Man sollte in deinen Unterlagen einen roten Faden erkennen. Jobhopping oder Branchenwechsel sind kein Problem, wenn ein konkretes Ziel des Bewerbers erkennbar bleibt. Praktika, Nebenjobs, Sprachreisen, Hospitationen, Selbststudium, Weiterbildungen und Aushilfstätigkeiten sollten im Idealfall verdeutlichen, dass du auf einen bestimmten Beruf, eine konkrete Stelle, ein spezielles Feld hingearbeitet hast. Wer heute Hunde frisiert, morgen kellnert und übermorgen an der Hotelrezeption steht, gerät unter Verdacht, nur des Geldes wegen zu arbeiten. Selbst wenn das zutrifft: Personaler suchen Mitarbeiter, die sich mit ihrer Tätigkeit und ihrem Betrieb voll und ganz identifizieren. Motivation, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit sollten unbedingt aus der Vita ersichtlich sein.

Tipp 12: Die Macht der Sprache nutzen

Durch geschickte Ausdrucksweise kannst du den Fokus auf deine Stärken und deine Entwicklung legen.

  • Du bist nicht in deinem Studium gescheitert. Das Studieren hat dir vor Augen geführt, dass du kein reiner Theoretiker bist, sondern die Verbindung aus Theorie und Praxis brauchst.
  • Deine selbständige Tätigkeit hast du nicht aus finanziellen Gründen aufgegeben, sondern weil ein Angestelltenverhältnis für deine Familie vorteilhafter ist.
  • Du warst nicht wegen deiner Krankheit gezwungen, deinen letzten Job aufzugeben. Dein gesundheitlicher Zustand hat dir bewusstgemacht, dass es Zeit für eine berufliche Neuorientierung wird.

Tipp 13: Monate im Lebenslauf nicht weglassen

Es ist eine schlechte Idee, die einzelnen beruflichen Stationen nur in Jahren anzugeben, um Lücken zu vertuschen. Das weckt sofort Misstrauen. Was eigentlich unter den Teppich gekehrt werden soll, steht dadurch sofort im Rampenlicht. Jeder geübte Personaler ahnt, dass die genannte Tätigkeit nicht das komplette Jahr über ausgeführt worden ist.

Tipp 14: Lebenslauf und Leistungsprofil sinnvoll strukturiert einreichen

Ein Leistungsprofil ersetzt den tabellarischen Lebenslauf nicht. Aber es kann als extra Seite durchaus den Unterlagen beigefügt werden. Damit verweist man auf erworbene Kompetenzen, Hard Skills und Soft Skills.

Sinnvoll ist außerdem, den Lebenslauf rückwärts-chronologisch aufzubauen. Den Personaler interessiert die aktuelle Situation am meisten. Sind die Lücken weiter hinten zu finden, fallen sie kaum noch ins Gewicht. Kaum jemanden interessiert es, dass du vor 20 Jahren drei Monate arbeitslos warst. Bewirbst du dich aktuell aus der Arbeitslosigkeit heraus, glänze durch sinnvolle Aktivitäten in der unfreiwillig erhaltenen freien Zeit.

Tipp 15: Elternzeit

Frauen können Lücken mit „Familienphase“ oder „Elternzeit“ erklären. Unter Umständen wird dann allerdings der Druck größer, den Arbeitgeber vom eigenen Wert zu überzeugen. Im Raum schwebt automatisch die Befürchtung, dass die Mutter bei Krankheit des Kindes nicht zur Arbeit erscheint oder Überstunden womöglich nicht wahrnehmen kann, weil die Familie vorgeht.

Lücken und Brüche im Lebenslauf sind nicht prinzipiell als negativ zu bewerten. Sie zeigen: Du lässt dich nicht unterkriegen und kannst mit Schwierigkeiten umgehen.

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