Karriere als Beamter: Passt das Berufsbild zu dir?

Früher oder später muss sich jeder Mensch die Frage stellen, wie er seine Brötchen verdienen möchte. Für einige ist der Job dabei nur ein Mittel zum Zweck, um sich und vielleicht eine Familie ernähren zu können. Andere suchen darin Erfüllung oder streben eine steile Karriere an. Glücklicherweise gibt es so viele unterschiedliche Berufsbilder, dass gewiss auch eine Wahl dabei ist, welche genau deinen Vorstellungen entspricht. Das Beamtentum genießt dabei leider keinen allzu guten Ruf. Langweilig sei die Arbeit als Beamter, heißt es immer wieder, oder es gäbe keine Aufstiegsmöglichkeiten. Es lohnt sich daher ein Blick auf die Frage, ob diese Vorurteile berechtigt sind, wie das Berufsbild überhaupt in der Realität aussieht und welche Vorzüge es mitbringt…

Es kursieren viele Beamtenwitze in Deutschland und auf den ersten Blick klingt dieser Job nicht unbedingt nach Aufregung oder der großen Karriere. Auf den zweiten Blick steckt hinter dem Beamtentum aber deutlich mehr, als du vielleicht denken magst. Denn „Beamte/r“ an sich ist eigentlich keine Berufsbezeichnung, sondern lediglich ein Überbegriff für alle Personen, welche im öffentlichen Dienst oder im Dienst einer Körperschaft des öffentlichen Rechts arbeiten. Aus dem Status als Beamtin oder Beamter ergibt sich ein besonderes Rechtsverhältnis gegenüber dem deutschen Staat.

Die häufigsten Beamtenberufe in Deutschland

Die häufigsten Beamten-Berufe

Wenn du dich für die Karriere als Beamter interessiert, musst du dich also erst einmal für einen der vielen Beamtenberufe entscheiden, welche dafür infrage kommen. Du kannst beispielsweise

  • in der allgemeinen Verwaltung arbeiten. Dafür absolvierst du in den meisten Fällen eine Ausbildung zum Verwaltungsfachwirt oder zur Verwaltungsfachangestellten. Deine Aufgaben bestehen somit vor allem aus Büro- oder Sachbearbeitungstätigkeiten, aber auch die Mitarbeit an der Umsetzung von Beschlüssen oder dem Entwurf von Verwaltungsvorschriften ist möglich. Je nach Arbeitsstelle, bist du dabei im direkten Kundenkontakt tätig, um als Ansprechpartner bei Fragen sowie Problemen zu fungieren. Aber auch die Arbeit am Computer, sei es alleine oder im Team, ist ein möglicher Einsatzbereich. Du kannst hier beispielsweise bei der Einführung der neuen E-Akte helfen oder entsprechende Schulungen organisieren, was derzeit ein brisantes Thema ist, weshalb die öffentliche Verwaltung vielerorts entsprechende Spezialisten sucht. Du siehst: Die allgemeine Verwaltung bietet eine große Vielfalt an Jobprofilen sowie internen Aufstiegsmöglichkeiten.
  • eine Karriere bei der Polizei anstreben, denn hier gibt es ebenfalls viele Beamtenstellen und dieses Beispiel macht zugleich deutlich, dass auch das Beamtentum spannend und voller „Abenteuer“ sein kann – wenn es das ist, wonach du suchst. Schließlich ist das Berufsbild des Polizisten für elf Prozent der Schüler in den Klassen 8 bis 13 ein Wunscharbeitgeber. Auch hierbei sind die Einsatzgebiete vielfältig, welche sich je nach Fachbereich unterscheiden, aber auch hinsichtlich deiner Tätigkeit. Du kannst beispielsweise als Wasserschutzpolizist direkt auf dem Boot im Einsatz sein oder bei der Kriminalpolizei wichtige Recherchearbeiten erledigen. Die polizeiliche Prävention bietet dir die Möglichkeit zur Arbeit mit Menschen jeden Alters oder du interessierst dich für Technik und gehst zur Informations- sowie Kommunikationsgruppe. Damit ist die Liste der Beispiele noch lange nicht beendet, sodass gewiss eine Arbeitsstelle nach deinen Vorstellung dabei ist.
  • im sozialen und gesundheitlichen Bereich tätig werden, zum Beispiel als Lehrer, Erzieher oder Arzt. Möchtest du also gerne mit Menschen arbeiten, Kindern etwas beibringen oder kranken Personen helfen…für all diese und viele weitere Berufe im Sozial- und Gesundheitsbereich gibt es ebenfalls ein großes Angebot an Beamtenstellen. Du musst zwar in diesen Berufen nicht zwingend verbeamtet werden, dir steht aber die Möglichkeit offen – je nachdem, für welchen Arbeitsplatz du dich entscheidest.
  • zur Bundeswehr gehen, entweder klassisch als Soldat oder du entscheidest dich für den Werdegang als Arzt, Apotheker, Mechatroniker, etc. Auch hier ist die Auswahl an möglichen Ausbildungen groß oder du hast bereits eine entsprechende Ausbildung und möchtest nun bei der Bundeswehr deine weitere Karriere verfolgen. Entscheidest du dich für die Ausbildung als Soldat, kannst du zum Beispiel zu den Gebirgsjägern gehen und lernen, wie Verteidigung in schwierigem Gelände funktioniert. Oder du gehst zur Luftwaffe, um Kampfpilot zu werden. Die Auswahl ist riesig und reicht von körperlich anstrengenden sowie gefährlichen Tätigkeiten über technische oder Büroberufe bis hin zur Arbeit als Sanitäter oder Mediziner.
Soziale Berufe

Schon jetzt dürfte klar geworden sein, dass es nicht den einen Job als Beamter gibt. Stattdessen handelt es sich um einen Überbegriff für zahlreiche unterschiedliche Berufsbilder sowie Einsatzmöglichkeiten. Und damit ist die Liste noch lange nicht zu Ende, sondern du kannst auch noch zur Feuerwehr, Steuerverwaltung, Forstverwaltung, Justizverwaltung, Sozialversicherung, Wasserverwaltung oder zum Wetterdienst gehen – um nur einige weitere mögliche Arbeitgeber zu nennen. Was aber unterscheidet beispielsweise die Arbeit als „normaler“ Pilot, Arzt, Lehrer, Verwaltungsfachwirt & Co von jener als Beamter?

Besonderheiten des Beamtentums im Überblick

Das Beamtentum beschreibt somit kein spezielles Berufsbild, sondern – wie bereits erwähnt – ein besonderes Rechtverhältnis. Wenn du Beamter werden möchtest, arbeitest du also indirekt für den Staat. Er ist dein Arbeitgeber und zahlt dir dein Gehalt. Dieser Sonderstatus resultiert aus dem Grundgesetz, in welchem steht, dass du dich „per Schwur der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ verpflichten musst. Möchtest du also Beamter werden, hast du einen solchen Schwur zu leisten. Im Gegenzug sorgt der Staat dafür, dass du und deine Familie finanziell bestmöglich versorgt sind. Als Beamter genießt du in dieser Hinsicht demnach gleich mehrere Vorzüge gegenüber „normalen“ Arbeitsverhältnissen:

  • Als Beamter stehst du außerhalb des deutschen Sozialversicherungssystems. Bei der Krankenkasse hast du die freie Wahl, ob du in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben oder privat versichert sein möchtest. Letztere Variante wird durch den Staat gefördert, indem er im Krankheitsfall eine Beihilfe zahlt.
  • Weiterhin musst du nicht in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, sondern du hast im Ruhestand Anspruch auf die Zahlung einer Pension – und diese liegt deutlich über den üblichen Rentenansprüchen. Bis zu 71 Prozent deines letzten Gehalts werden dir vom Staat auf Lebenszeit weiterbezahlt, abhängig von der Anzahl deiner Berufsjahre.
  • Ein weiterer großer Vorteil am Beamtenstatus ist, dass du unkündbar bist. Sicherer kann dein Job also kaum sein und somit bist du auch nicht verpflichtet, in die Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Dennoch gibt kannst du deinen Beamtenjob in Ausnahmesituationen verlieren, wenn du zum Beispiel eine Straftat begehst.

Diese sind die drei Hauptargumente für viele Menschen, sich für das Beamtentum zu entscheiden. Schließlich genießt du dadurch eine höchstmögliche Jobsicherheit und hast in den meisten Berufen einen guten bis sehr guten Verdienst. Diese Kombination sorgt zudem für eine exzellente Kreditwürdigkeit, sprich es ist in der Regel kein Problem, Geld von Banken zu erhalten, beispielsweise für die Finanzierung eines Eigenheims.

Gibt es auch Nachteile – und welche?

Wie immer im Leben, hat aber natürlich auch diese Medaille zwei Seiten und so bringt das Beamtentum folgende Nachteile mit sich: Die Verpflichtung, welche du gegenüber deinem Arbeitgeber „Staat“ eingehst, bedeutet für dich den Verzicht auf einge Rechte. Du kannst zum Beispiel nur bedingt mitsprechen, wenn es um deine Einsatzgebiete oder eine Versetzung geht. Zudem gilt ein Streikverbot für Beamte und die Verdienstmöglichkeiten sind strikt geregelt. Es gibt also keinen Spielraum für Gehaltsverhandlungen, was in einigen Berufen bedeutet, dass du in der freien Wirtschaft mehr verdienen könntest. Zudem gibt es tatsächlich einige Jobs, vor allem in der Verwaltung, die von Langeweile und Unterforderung geprägt sind. Andere Beamtenberufe bedeuten hingegen eine große Belastung in körperlicher Hinsicht oder durch ständigen Stress.

Fazit

Das Beamtentum ist alles in allem deutlich besser als sein Ruf und bringt große Vorteile mit sich. Dennoch solltest du deinen Beruf mit Sorgfalt auswählen, denn Geld ist bekanntlich nicht alles im Leben. Informiere dich also gut darüber, wie die Arbeitsinhalte, die Belastung & Co in der Praxis aussehen, bevor du deinen Schwur leistest. Die Auswahl an Beamtenberufen ist aber glücklicherweise so groß, dass du gewiss fündig wirst – wenn du ein Mensch bist, der nach Sicherheit strebt. Bist du hingegen eher ein „Freigeist“, der gerne selbst über seine Arbeitszeiten, seinen Wohnort, seine Arbeitsinhalte oder die Höhe seines Gehalts entscheidet, und zwar jedem Risiko zum Trotz, wirst du in den starren Strukturen des Beamtentums vermutlich nicht glücklich. Dann solltest du lieber über eine Selbständigkeit nachdenken. Ob das Berufsbild des Beamten in all seinen Variationen zu dir passt oder nicht, hängt dementsprechend in erster Linie von deiner individuellen Persönlichkeit ab!

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