12 Tipps für einen Headhunter-Anruf

Da sitzt man nichts ahnend am Schreibtisch, geht wie immer der Arbeit nach und dann das: völlig unvermittelt ruft ein Headhunter an. Klar, dass die Überraschung in diesem Fall groß ist. Dennoch gilt es genau jetzt cool zu bleiben und sich gut zu präsentieren. Denn womöglich steckt hinter dem Angebot des Headhunters ein wahrer Traumjob.

Wie man sich am Telefon verhalten sollte und was es bei einem Headhunter-Anruf zu beachten gilt, verraten wir euch in diesem Artikel!

Definition: Headhunter

Der Begriff Headhunter kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Kopfjäger“. Was zunächst ein wenig bedrohlich anmutet und nach Wildem Westen klingt, ist in Wahrheit ganz harmlos. Im Grunde bezeichnet der Begriff Headhunter nämlich schlichtweg einen professionellen Personalberater, der Unternehmen bei der gezielten Personalsuche unterstützt.

Die Aufgabe eines Headhunters ist es also, einen ganz bestimmten Kandidaten für eine konkret definierte Position zu finden, diesen direkt anzusprechen und bestenfalls von einem Jobwechsel zu überzeugen.

Aber weshalb beauftragt ein Unternehmen überhaupt einen Headhunter und kümmert sich nicht selbst um die Suche nach einem passenden neuen Mitarbeiter?

Nun, ein Headhunter kommt genau dann zum Einsatz, wenn eine klassische Stellenanzeige in einer Jobbörse nicht ausreicht, um zeitnah besonders hoch qualifizierte Jobkandidaten zu ermitteln. Wird also ein ganz bestimmtes Profil für eine gewichtige Position gesucht, übernimmt ein professioneller Headhunter für das Unternehmen die Suche nach einer solchen Führungskraft. Schließlich kann die Personalsuche in solch einem Fall äußerst knifflig sein. Denn umso spezieller die Position und die Anforderungen, desto weniger Menschen kommen für diesen Job infrage und desto schwieriger ist es, den richtigen Kandidaten für diese Aufgabe zu finden.

Und wie findet ein Headhunter den passenden Kandidaten für den Job?

In einem ausführlichen Gespräch legen das Unternehmen und der Headhunter gemeinsam fest, welche Fähigkeiten, Kenntnisse, Erfahrungen und Charaktereigenschaften für die zu besetzende Position besonders wichtig sind. Anschließend erstellt der Headhunter ein detailliertes Anforderungsprofil und begibt sich auf die „Jagd“ nach passenden Kandidaten.

Headhunter setzen hierbei auf Karrierenetzwerke wie XING, LinkedIn etc. Des Weiteren nutzen sie natürlich ihr persönliches Netzwerk, das sich alle Headhunter während ihrer Laufbahn aufgebaut haben.

Hat ein Headhunter einen passenden Jobkandidaten ausgemacht, nimmt er persönlichen Kontakt zu diesem Kandidaten auf. Meist befinden sich die angesprochenen Kandidaten hierbei gerade in einem festen Arbeitsverhältnis. Sie sind also weder aktiv auf der Suche nach einem neuen Job noch sind sie direkt verfügbar. Um die Wunschkandidaten dennoch von einem Jobwechsel zu überzeugen, braucht ein Headhunter stichhaltige Argumente, ganz viel Fingerspitzengefühl und mitunter sehr viel Geduld. Denn in den meisten Fällen benötigt ein Headhunter mehrere Anläufe, bis er jemanden findet, der sowohl interessiert als auch qualifiziert ist. Die besten Kandidaten stellt der Headhunter anschließend seinem Auftraggeber vor.

12 Tipps für einen Headhunter-Anruf

Nimmt ein Headhunter Kontakt zu einem Arbeitnehmer auf, darf dieser sich also durchaus geschmeichelt und umworben fühlen. Dennoch sollte man sich dies am Telefon natürlich nicht anmerken lassen. Vielmehr sind nun das vielzitierte Pokerface und Verhandlungsgeschick gefragt. Denn womöglich könnte der Headhunter-Anruf einen Schritt nach oben auf der Karriereleiter bedeuten.

Selbst wenn man aktuell eigentlich gar nicht auf der Suche nach einem neuen Job ist, sollte man sich das Angebot des Headhunters also immer anhören. Denn wer weiß, womöglich lauert hinter der Offerte ein wahrer Traumjob. Damit ihr euch die Chance auf den Job zumindest offenhaltet, möchten wir euch im Folgenden 12 Tipps für einen Headhunter-Anruf mit auf den Weg geben!

1. Cool und sachlich bleiben

Der Headhunter möchte etwas von dir – nicht umgekehrt. Also bleibe cool, höre dir sein Anliegen an und vereinbare einen Termin für ein längeres Gespräch. Ruft ein Headhunter während der Arbeit an, dient dies nämlich nur der Erstkontaktaufnahme. Mehr als Nummer austauschen, ein paar kurze Infos geben und Termin vereinbaren ist während der Arbeitszeit nicht erlaubt – und ein seriöser Headhunter hält sich daran. Genau das kommt dir zugute. Denn nun kannst du dich in aller Ruhe auf das zweite Gespräch vorbereiten und dir überlegen, ob ein Jobwechsel denn überhaupt für dich infrage käme.

2. Diskretion walten lassen

Ruft dich ein Headhunter während der Arbeit an, solltest du auf jeden Fall diskret sein. Schließlich möchtest du deinen Kollegen und deinem Chef sicher nicht auf die Nase binden, dass Kontakt zu einem Headhunter besteht. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man dich für illoyal hält. Und dieser „Makel“ bleibt womöglich bestehen, selbst wenn aus dem Wechsel des Jobs nichts wird. Daher solltest du am Telefon immer neutral bleiben und dem Headhunter höflich zu verstehen geben, dass es gerade nicht passt und du gerne einen Termin für das weitere Gespräch mit ihm vereinbaren möchtest. Bei einem Headhunter-Gespräch ist es schließlich wichtig, tatsächlich frei reden zu können.

3. Zurückhaltend agieren

Bei einem Headhunter-Anruf gilt es also diskret und vor allem auch zurückhaltend zu agieren. Egal wie sehr du dich durch den Anruf geschmeichelt fühlst, solltest du weder einen klaren Wechselwunsch erkennen lassen (das könnte verzweifelt wirken) noch solltest du gleich nach dem Gehalt fragen (das könnte gierig wirken). Vielmehr solltest du grundsätzliches Interesse an neuen Herausforderungen bekunden und einen weiteren Termin für ein näheres Gespräch vereinbaren.

4. Nur bestimmte Rückfragen stellen

Zurückhaltend agieren ist also eines der obersten Gebote im Falle eines Headhunter-Anrufs. Das bedeutet aber nicht, dass du auch gänzlich passiv bleiben sollst. Rückfragen sind absolut legitim. So solltest du z.B. in Erfahrung bringen, für welche Personalberatung er arbeitet. Auch ist die Frage nach seiner Expertise in der Branche durchaus legitim. Und natürlich solltest du ihn auch nach seinen Kontaktdaten fragen und diese auch notieren. So signalisierst du Interesse, zeigst gleichzeitig aber auch, dass du selbstbewusst genug bist deine Karriere nicht in die Hände von irgendjemandem zu legen. Darüber hinaus sind auch Fragen nach der Art des Jobs und wichtigen Eckdaten wie Branche, Unternehmensgröße, Region, Position etc. legitim.

5. Nicht zu neugierig sein

Natürlich interessiert es dich auch, um welche Position bei welchem Unternehmen es sich konkret bei dem Angebot handelt, das dir der Headhunter unterbreiten möchte. Allerdings solltest du beim Erstkontaktgespräch abgesehen von den bereits erwähnten legitimen Rückfragen nicht zu neugierig sein. Vielmehr solltest du dein Pokerface aufsetzen und nicht direkt zu viel Interesse bekunden. Merkt der Headhunter, dass er auf einen wechselwilligen Kandidaten trifft, wird er mit seinem Angebot sicherlich nicht bis an die finanzielle Schmerzgrenze des Unternehmens gehen, das er vertritt. Davon abgesehen wird ein seriöser Headhunter beim Erstkontakt auch nicht direkt detaillierte Informationen über das Unternehmen, das ihn engagiert hat, preisgeben.

6. Offen über Geld reden

Apropos finanzielle Schmerzgrenze: Beim zweiten Telefonat könnte es relativ schnell auf Geldfragen kommen. Der Personalberater muss wissen, ab welcher Gehaltshöhe ein Wechsel für dich infrage kommt und ob es überhaupt Sinn macht, mit dir in Verhandlungen einzusteigen. Eine ganz grobe Faustregel besagt, dass man – je nach Position – einen Aufschlag von 15 bis 25 Prozent fordern kann. Und das solltest du auch. Sei also ruhig selbstbewusst, denn es hat einen Grund, weshalb der Headhunter gerade dich ausgewählt hat. Verkaufe dich nicht unter Wert!

7. Nie nach dem „Warum“ fragen

Apropos Selbstbewusstsein: Du bist gut. Du bist fachlich qualifiziert. Dein guter Ruf eilt dir voraus. Kurz gesagt: Der Headhunter hält sich für die ideale Besetzung für eine bestimmte Stelle. Also weshalb solltest du unsicher nach dem „Warum“ fragen!? Deine bisherigen Leistungen sprechen wohl für sich. Andernfalls hätte dich der Headhunter sicher nicht kontaktiert. Also verkneife dir die Frage danach, weshalb man gerade dich ausgewählt hat (auch wenn dir diese Frage auf der Zunge brennt). Sei selbstbewusst und bleibe cool. Der Headhunter weiß, was du kannst – also stelle dein Licht nicht durch etwaige Selbstzweifel und Nachfragen unter den Scheffel.

8. Alle Optionen offenlassen

Auch wenn du eigentlich keinen Jobwechsel geplant hattest, solltest du zumindest Interesse für das Angebot des Headhunters bekunden und dir die Option offenlassen, in Verhandlungen einzusteigen. Mit einer Antwort à la „Eigentlich bin ich in meinem jetzigen Job ganz zufrieden, aber ihr Angebot macht mich doch neugierig“ gewinnst du Zeit über den Jobwechsel nachzudenken, hältst dir also alle Möglichkeiten offen und legst dich nicht fest.

9. Lächeln und umherlaufen

Wenn dich ein Headhunter anruft, dann lächle – auch am Telefon. Nein, wir machen keine Scherze. Wer am Telefon lächelt, wirkt verschiedenen Studien zufolge tatsächlich sofort aufgeschlossener und sympathischer. Generell hat die Art und Weise WIE man telefoniert großen Einfluss darauf, wie man beim Gesprächspartner ankommt. Wenn du beim Telefonat aufstehst und im Raum umhergehst, hörst du dich z.B. sofort dynamischer und entschlossener an. Zugegeben, dieser Tipp klingt erst einmal komisch, es funktioniert aber.

10. Seriosität prüfen

Die Berufsbezeichnung „Headhunter“ ist ebenso wie „Personalberater“ nicht geschützt. Jeder kann sich so nennen – unabhängig davon, ob er dafür auch tatsächlich qualifiziert ist. Im Bereich Headhunting tummeln sich dementsprechend durchaus auch schwarze Schafe. Du solltest also immer die Seriosität des Anrufers prüfen. Wie das geht? Nun, es gibt bestimmte Indizien, die darauf hindeuten, dass du es nicht unbedingt mit einem Profi zu tun hast:

  • Geheimniskrämerei

Verrät der Headhunter nicht, für welche Personalberatung er tätig ist, ist garantiert etwas faul. Denn wohingegen ein professioneller Headhunter nicht direkt preisgibt, für welches Unternehmen er einen neuen Mitarbeiter sucht, ist eine solche Geheimniskrämerei bei der Frage nach der Personalberatung, bei der er angestellt ist, nicht angebracht. Möchte der Headhunter dir hierüber keine Auskunft geben, solltest du das Gespräch besser beenden.

  • Überfallanruf

Ruft der Headhunter auf der Arbeit an, darf der Anruf nur kurz sein. Der Headhunter darf maximal testen, ob der Kandidat gesprächsbereit ist. Versucht der Headhunter weitere Informationen zu erhalten und nimmt deine Zeit (wohlgemerkt deine Arbeitszeit!) für seine Akquise in Anspruch, zeigt das, dass er nicht mal das kleine Einmaleins seines Jobs beherrscht. Und das ist alles andere als seriös.

  • Ahnungslosigkeit

Stellt der Headhunter Fragen zum Lebenslauf, die bereits überall öffentlich im Netz zu finden sind (z.B. bei Xing oder Linkedin), spricht das nicht gerade für einen versierten Profi oder ein seriöses Angebot. Professionelle Headhunter machen ihre „Hausaufgaben“ und verfügen bereits über alle wichtigen Informationen über den Jobkandidaten.

11. Niemals schlecht über den aktuellen Arbeitgeber sprechen

Wer nicht als unprofessionell gelten möchte, sollte keinesfalls irgendwelche internen Informationen über den aktuellen Arbeitgeber preisgeben. Kein Headhunter wird einem anderen Unternehmen einen Mitarbeiter empfehlen, der derart illoyal und indiskret ist. Auch wenn du also kein besonders gutes Verhältnis zu deinen Vorgesetzten oder Kollegen hast, solltest du das niemals erwähnen. Schlecht über den aktuellen Arbeitgeber zu sprechen, ist ein absolutes No-Go.

12. Nicht überheblich sein

Und last but not least noch ein besonders wichtiger Tipp: Auch wenn du dich natürlich geschmeichelt fühlen darfst, dass der Headhunter gerade dich ausgewählt hat, solltest du niemals überheblich werden. Respekt lautet das Zauberwort. Also benimm dich dem Headhunter gegenüber nicht arrogant und überheblich, sondern respektvoll und professionell. Denn ganz gleich wie sehr ein Headhunter womöglich von deiner fachlichen Kompetenz überzeugt ist, punktest du auf persönlicher Ebene nicht, wird er dich dem Unternehmen, das ihn engagiert hat, sicher nicht vorstellen. Nicht nur die Qualifikation muss stimmen, auch die Persönlichkeit. Wer Arroganz und Überheblichkeit an den Tag legt, dürfte also kaum Chancen haben, dass der Headhunter ihn mit dem Unternehmen, das er vertritt, in Kontakt bringt.

Extra-Tipp:

Im Falle eines Headhunter-Anrufs (und nicht nur in diesem Fall) ist es immer gut, einen kleinen Elevator Pitch vorbereitet zu haben, also eine Art Kurzpräsentation von ein bis zwei Minuten, im Rahmen derer man sich, den eigenen Werdegang und die fachliche Qualifikation präsentiert. Das wirkt professionell und vermittelt dem Headhunter das Gefühl, an der richtigen Adresse zu sein. Wie ein Elevator Pitch aufgebaut sein sollte, erfährst du in unserem Artikel „Elevator Pitch: Wie du in wenigen Minuten jemanden von dir und deinen Ideen überzeugen kannst“.

Fazit

Es ist unbestritten ein gutes Gefühl, wenn ein Headhunter anruft, um einem einen neuen, besseren Job anzubieten. Klar, dass das jedem Ego schmeichelt, schließlich bedeutet das, dass man durch gute Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat, auf dem Radar der Headhunter ist und einen gewissen Marktwert besitzt. Dennoch sollte man stets zurückhaltend und professionell bleiben und keinesfalls überheblich werden. Denn während es zumeist lange dauert, bis man auf dem Radar eines Headhunters erscheint, ist man im Nullkommanix wieder von diesem Radar verschwunden, wenn man nicht angemessen auf den Anruf reagiert. Wer einen guten Eindruck machen und sich alle Optionen offenhalten möchte, sollte daher unsere Tipps beherzigen.


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