Speed Recruiting: Ablauf, Vor- und Nachteile

In kürzester Zeit verschiedene Unternehmen abchecken und dadurch im Schnelldurchlauf zum Traumjob? Das geht wirklich! Speed Recruiting lautet der neuste Trend bei Bewerbungsverfahren. Wie ein solches Speed Recruiting abläuft und welche Vor- aber auch Nachteile es birgt, das verraten wir euch in diesem Artikel!

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Speed Recruiting ist ein Einstellungsverfahren, das stark an die Regeln des Speed Datings angelehnt ist
  • Bewerber haben beim Speed Recruiting die Chance, sich innerhalb eines einzigen Bewerbungsverfahrens bei mehreren Firmen vorzustellen
  • Recruiter haben die Möglichkeit, mit wenig Zeitaufwand mehrere Bewerber kennenzulernen
  • Die einzelnen Gespräche dauern nur wenige Minuten (in der Regel 3 bis 10 Minuten)
  • Auch wenn beim Speed Recruiting in den seltensten Fällen ein Bewerber sofort einen Arbeitsvertrag unterschreibt, bietet es hervorragende Möglichkeiten zum Netzwerken

Speed Recruiting: Was man darunter versteht

„Speed Recruiting“ bedeutet ins Deutsche übersetzt so viel wie „Blitz-Rekrutierung“. Auch wenn bei einem Speed Recruiting in den seltensten Fällen tatsächlich jemand direkt blitzartig „rekrutiert“, also eingestellt wird, ist die Bezeichnung dennoch treffend. Denn in der Tat geht es bei einem Speed Recruiting darum, in kurzer Zeit möglichst viele Bewerber abzuchecken und somit das Bewerbungsverfahren, also die Rekrutierungsphase, deutlich zu verkürzen. Auch Bewerber profitieren natürlich vom Speed Recruiting. Schließlich haben auch sie die Möglichkeit sich in dieser kurzen Zeit bei mehreren Unternehmen zu präsentieren. Eine Win-win-Situation!

Ähnlich wie bei einem Speed Dating haben die Teilnehmer also auch beim Speed Recruiting nur wenige Minuten Zeit sich zu beschnuppern. Während es bei einem Speed Dating darum geht, das Herz der potenziellen Traumfrau bzw. des potenziellen Traummanns zu gewinnen, gilt es beim Speed Recruiting das Interesse eines Personalers bzw. – aus Sicht der Unternehmen – das Interesse des Bewerbers am jeweiligen Unternehmen zu wecken. Am Ende kommt es im Grunde bei beiden Veranstaltungen darauf an, dass es „funkt“. Wer sich beim Speed Recruiting überzeugend präsentiert, kann sich zwar natürlich kein Date mit der Traumfrau bzw. dem Traummann, dafür vielleicht aber den Traumjob bzw. den Traummitarbeiter sichern.

Beim Speed Recruiting geht es also summa summarum um ein „Matching“ zwischen Bewerber und Personaler. Die Mechanismen, die beim Speed Recruiting wirken, sind daher im Grunde die gleichen wie beim Speed Dating: Blickkontakt, ein fester Händedruck und ein zwangloses Gespräch mit dem Ziel, sich gegenseitig zu beschnuppern und ein Gefühl füreinander zu entwickeln.

Vorbereitung, Ablauf und Nachbereitung

Bei einem Speed Recruiting geht alles – wie der Name schon sagt – äußerst schnell. Der Bewerber hat in der Regel nur wenige Minuten Zeit, den Personaler von seinen Qualitäten zu überzeugen. Eine gute Vorbereitung ist daher essentiell.

Wie man sich am besten auf das Speed Recruiting vorbereitet:

Zuallererst sollte man sich eine Taktik überlegen. Möchte man den Personaler rein verbal überzeugen? Oder möchte man die wenigen Minuten z.B. mit einer PowerPoint-Präsentation der bisherigen Arbeit füllen? So oder so, wichtig ist es, sich bereits vorab Gedanken zu machen, wie man die eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen am besten ansprechend verpacken und in kurzer Zeit rüberbringen kann!

Eine Grundstrategie ist also wichtig, um beim Speed Recruiting nicht unterzugehen. Denn – da stimmen sicher die meisten Menschen zu – selbst wenige Minuten können einem endlos erscheinen, wenn man sich nichts (mehr) zu sagen hat und unangenehme Pausen entstehen.

Unsere Tipps für eine gute Präsentation sind daher die Folgenden:

  1. Eine kurze Selbstpräsentation vorbereiten (Wer bin ich? Was mache ich? Was suche ich?). Tipps für einen gelungenen Elevator Pitch erhaltet ihr in unserem Artikel „Elevator Pitch: Wie du in wenigen Minuten jemanden von dir und deinen Ideen überzeugen kannst“.
  2. Kurz (!) eigene Arbeiten bzw. Projekte präsentieren, die den eigenen Stil und die persönlichen Kompetenzen widerspiegeln.

Und ganz wichtig:

Man sollte sich immer auch über die jeweiligen Unternehmen informieren, die sich bei einem Speed Recruiting präsentieren. In der Regel informieren die Veranstalter solcher Speed Recruiting Events vorab über die Arbeitgeber, die anwesend sein werden. Nähere Details lassen sich dann der Homepages der Unternehmen entnehmen. Wer über die jeweiligen Unternehmen Bescheid weiß, kann durch gezielte Fragen beim Personaler einen positiven Eindruck hinterlassen. Schließlich beweist eine gute Vorbereitung Motivation und Selbstengagement.

Übrigens empfiehlt es sich, stets auch eine Visitenkarte oder – besser noch – einen Bewerbungsflyer mit zum Speed Recruiting zu nehmen. Auch das zeugt von einer guten Vorbereitung und sorgt dafür, dass man dem Personaler im Gedächtnis bleibt. Wie man einen guten Bewerbungsflyer erstellt, könnt ihr hier nachlesen.

So läuft das Speed Recruiting ab:

Die Auswahl der Teilnehmer übernimmt normalerweise der Veranstalter des Speed Recruiting Events. Wer an einem Speed Recruiting teilnehmen möchte, muss sich daher in der Regel zunächst online dafür bewerben und einen kurzen Fragebogen ausfüllen. Diejenigen Kandidaten, die vom Veranstalter ausgewählt werden, dürfen sich dann am Event den Personalern präsentieren.

Das Speed Recruiting läuft dann in der Tat ähnlich wie ein Speed Dating ab. Auf der einen Seite des Tischs sitzt jeweils ein Bewerber. Auf der anderen Seite nehmen jeweils zwei bis drei Vertreter eines Unternehmens Platz. Bewerber und Personaler unterhalten sich nun immer wenige Minuten lang, anschließend tauschen die Bewerber die Stühle und rücken zum nächsten Tisch auf. Die Glocke, die eine Speed Recruiting Runde beendet, ertönt dabei stets im gleichen Zeitabstand. Jedes Mal wenn die Glocke ertönt, rücken die Kandidaten erneut – wie beim Speed Dating – einen Tisch weiter. Der Prozess wird so lang wiederholt, bis jeder Personaler mit jedem Bewerber gesprochen hat

Im Anschluss: Das Get Togehter

Nach dem eigentlichen Speed Recruiting findet in der Regel ein sogenanntes „Get Together“ statt. Das Get Together nutzen viele Personaler, um die Bewerber, die einen guten Eindruck hinterlassen haben, zu einem weiteren Gespräch einzuladen. Bei diesem in der Regel eher lockeren Austausch können sich die Personaler und die Bewerber vernetzen und bestenfalls bereits einen Termin für ein Folgegespräch vereinbaren.

Und so geht es weiter:

Wurde noch kein Termin für ein Folgegespräch vereinbart, empfehlen Experten nach dem Speed Recruiting Event ungefähr eine Woche abzuwarten, ehe man nachfasst. Es kann aber durchaus auch ein wenig länger dauern, bis eine offizielle Einladung zu einem klassischen Bewerbungsgespräch erfolgt.

Zusammenfassung: Vorbereitung, Ablauf und Nachbereitung eines Speed Recruitings

Vorbereitung:

  • Informationen über die Unternehmen einholen, die beim Speed Recruiting dabei sein werden
  • Präsentation vorbereiten (z.B. Elevator Pitch, PowerPoint etc.)
  • Bestenfalls Kurzbewerbung bzw. Bewerbungsflyer vorbereiten, um diese/n beim Speed Recruiting den anwesenden Personalern zu überreichen

Ablauf:

  • Selbstpräsentation beim Speed Recruiting; Kurzes Gespräch mit den jeweiligen Personalern
  • Im Anschluss an die einzelnen Gespräche Kurzbewerbung, Bewerbungsflyer o.ä. überreichen
  • Kontakt und (hoffentlich) guten Eindruck beim anschließenden Get Together vertiefen

Nachbereitung:

  • Nach ca. einer Woche bei den favorisierten Unternehmen nachfassen
  • Interessierten Unternehmen die vollständigen Bewerbungsunterlagen schicken

Vor- und Nachteile

Ein Speed Recruiting bietet sowohl für Bewerber als auch für Unternehmen große Vorteile. Allerdings sind auch einige Nachteile nicht von der Hand zu weisen, die sich durch ein Speed Recruiting ergeben. Im Folgenden möchten wir euch diese Vor- und Nachteile einmal aus Sicht der Bewerber und aus Sicht der Unternehmen näher erläutern.

Die Vor- und Nachteile für Unternehmen:

VorteileNachteile
Der Speed Recruiting Veranstalter übernimmt die Vorauswahl der Bewerber; die Unternehmen müssen vorab keine Bewerbungen sichtenWomöglich sortiert der Veranstalter gute Bewerber vorab aus; es besteht also die Gefahr, dass die Unternehmen eigentlich hervorragend qualifizierte Bewerber gar nicht zu Gesicht bekommen
Zeitersparnis: Unternehmen können viele Bewerber in kurzer Zeit sichtenKritiker monieren, dass weder drei noch zehn Minuten ausreichen, um sich ein umfassendes Bild von einem Bewerber zu machen; womöglich werden also Kandidaten übersehen, die sich in drei Minuten vielleicht nicht top präsentieren können, die aber eigentlich eine top Fachkraft wären
Die fachliche Kompetenz kommt in der kurzen Zeit unter Umständen viel zu kurz; man fokussiert sich eher darauf, ob die Chemie zwischen Bewerber und Personaler stimmt und verlässt sich womöglich zu stark auf das Bauchgefühl
Die Unternehmen haben einen direkten Vergleich verschiedener Bewerber; im Get Together kann das Gespräch mit besonders interessanten Kandidaten fortgesetzt und der Bewerber in einer zwangloseren Atmosphäre erlebt werdenDas Verfahren erfordert Erfahrung und eine gute Menschenkenntnis; nur wenn ein Personaler diese Fähigkeit besitzt, kann er Bewerber mit großem Potenzial in der Kürze der Zeit erkennen
Für die Unternehmen ist ein Speed Recruiting eine gute Möglichkeit zu checken, was der Arbeitnehmermarkt derzeit hergibt, selbst wenn aktuell keine Neueinstellungen geplant sind

Die Vor- und Nachteile für Bewerber:

VorteileNachteile
Die Teilnehmern haben mit lediglich einer Bewerbung die Chance auf mehrere VorstellungsgesprächeFür etwas Festes sind die wenigen Minuten Gesprächszeit wohl nicht mehr als ein Anfang; in der Regel folgt anschließend doch noch ein klassisches Bewerbungsgespräch
Ein Speed Recruiting ist eine gute Übung, sich in wenigen Minuten zu präsentierenDer erste Eindruck zählt; ist er schlecht, hat man in der Kürze der Zeit keine Möglichkeit dies zu korrigieren
Ein Speed Recruiting bietet den Teilnehmern ohne große Hürden und mit vergleichsweise geringem Aufwand die Chance, bei Unternehmen den Fuß in die Tür zu kriegen, bei denen man es mit den Bewerbungsunterlagen allein womöglich nicht so schnell geschafft hätteDas Speed-Recruiting dient dem persönlichen Kennenlernen, es ersetzt aber nicht das ausführliche Bewerbungsgespräch oder das Assessment Center
Kommunikationsstärke, fokussiert bleiben und schnell auf den Punkt kommen sind nur drei der begehrten Soft Skills, die Bewerber im Speed Recruiting unter Beweis stellen könnenSchüchterne Menschen können schlechte Karten haben, wenn sie sich nicht gut verkaufen können
Zeugnisse, Bewerbungsschreiben und Zertifikate sind weniger wichtig, denn der persönliche Eindruck des Bewerbers zählt; eine Chance also für Bewerber mit weniger guten Abschlüssen oder Lücken im Lebenslauf, da die harten Fakten in den Hintergrund rücken und man stattdessen mit der Persönlichkeit überzeugen kann
Bei einem Speed Recruiting ist die Hemmschwelle niedriger, denn was kann in drei bis maximal zehn Minuten schon "Schlimmes" passieren!?
Der Stresspegel ist niedriger, denn im Gegensatz zum klassischen Vorstellungsgespräch sind beim Speed Recruiting kaum Stressfragen oder knifflige Aufgaben wie z.B. im Assessment Center zu erwarten

 

Das Speed Recruiting als Bewerbungsprozess spart somit Ressourcen auf beiden Seiten und kürzt monatelange Auswahlrunden erheblich ab. Und dieser Vorteil wiegt für viele Bewerber und Unternehmen die Nachteile auf.

Fazit

Ein Speed Recruiting basiert im Grunde auf dem gleichen Prinzip, das sich bereits beim Kennenlernen potenzieller Lebenspartner bewährt hat. Auch wenn beim Speed Recruiting in den seltensten Fällen ein Bewerber sofort einen Arbeitsvertrag unterschreibt (auch hier gibt es Parallelen, schließlich heiratet man ja auch nicht nach dem ersten Date), bietet es also dennoch eine hervorragende Möglichkeit für ein erstes Kennenlernen und „Beschnuppern“.

Allerdings braucht die Selbstpräsentation in nur wenigen Minuten durchaus ein wenig Übung. Daher ist ein Speed Recruiting eben auch nicht für alle Bewerber geeignet. Wer bei Bewerbungsgesprächen anfangs meist mit großer Nervosität zu kämpfen hat und erst im Laufe des Gesprächs gelassener wird, wird es beim Speed Recruiting schwer haben. Schließlich gilt es dort von Anfang an zu überzeugen.

Für diejenigen, denen die Selbstpräsentation keine Probleme bereitet, ist das Speed Recruiting jedoch in der Tat eine tolle Möglichkeit sich bei gleich mehreren Unternehmen ins Gespräch zu bringen. Bestenfalls kann man sich so den Traumjob sichern.

Habt ihr schon einmal an einem Speed Recruiting teilgenommen? Wir freuen uns, wenn ihr eure Erfahrungen und Meinungen mit uns teilt 🙂


Bitte bewerte diesen Beitrag: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
Loading...
Das könnte dir auch gefallen

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.