Wie hoch ist das Durchschnittsgehalt in Deutschland?

Uns Deutschen geht es gut! Zumindest wird uns das immer wieder suggeriert. In der Tat können sich zwar die Wenigsten von uns wirklich über ihren Lebensstandard beschweren, nichtsdestotrotz nimmt die Armut in Deutschland seit Jahren zu. Trotz Mindestlohn scheint die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer zu werden.

Aber was stimmt denn nun? „Dürfen“ wir uns hierzulande tatsächlich nicht über unser Gehalt beschweren? Wie viel verdienen wir im Durchschnitt? Und wie stehen wir mit diesem Durchschnittsgehalt im europäischen Vergleich dar? Diesen Fragen möchten wir in diesem Artikel einmal nachgehen!

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Jahr 2017 betrug das Durchschnittsgehalt für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer in Deutschland 3.771 Euro. Das entspricht einem Jahresgehalt von rund 45.252 Euro.
  • Nach wie vor verdienen Männer mehr als Frauen. 2017 herrschte beim Durchschnittsgehalt ein Verdienstabstand von 21 Prozent.
  • Ein Verdienstabstand konnte 2017 zudem (noch immer) zwischen den alten und den neuen Bundesländern nachgewiesen werden.
  • Im europäischen Vergleich herrscht in Deutschland vor allem in puncto Mindestlohn Nachholbedarf.

Vorwort

Vorweg sei gesagt, dass Durchschnittsgehälter natürlich nur einen groben Überblick über das Gehaltsgefüge in Deutschland geben. So ermittelte das Statistische Bundesamt im Rahmen einer Gehaltsstudie beispielsweise, dass nur ein Drittel der Beschäftigten mehr als der Durchschnitt verdient, zwei Drittel hingegen weniger.

Erklären lässt dich dies anhand eines einfachen Beispiels:

Fünf Kosmetiker verdienen unterschiedlich viel. Der Berufsanfänger unter diesen fünf Kosmetikern verdient 18.000 Euro pro Jahr. Ein anderer verdient 24.000 Euro, sein Kollege 26.000 Euro, eine Konkurrentin 28.000 Euro. Der fünfte Kosmetiker hingegen arbeitet als Star-Visagist und darf sich über prominente Kundschaft freuen. Sein Verdienst beträgt 120.000 Euro jährlich. Das Durchschnittsgehalt dieser fünf Kosmetiker beträgt nun 43.200 Euro. Vier der fünf Befragten liegen also weit unter diesem Gehalt.

Dennoch wird bei einem Gehaltsvergleich eben meist der Durchschnittswert herangezogen. Und das ist natürlich auch vollkommen legitim. Es sei an dieser Stelle daher lediglich darauf hingewiesen, dass man diesen Durchschnittswert bei Gehaltsverhandlungen nicht einfach blind als Richtwert nehmen sollte. Die Berufserfahrung, das Alter, (leider immer noch) das Geschlecht, die Branche, die Unternehmensgröße und die Region beispielsweise sind Faktoren, die sich immer auch auf das Gehalt auswirken.

Die Zahlen zum Gehalt sollte man also stets sehr differenziert betrachten. Dennoch bietet das Durchschnittsgehalt aber eben eine gute Möglichkeit, sich einen generellen Eindruck über die Gehaltsentwicklung in Deutschland zu verschaffen.

Aber wo liegt denn nun das Durchschnittsgehalt der Deutschen? Das verraten wir euch jetzt!

Das Durchschnittsgehalt in Deutschland

Laut Statistischem Bundesamt betrug der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer im produzierenden Gewerbe und Dienstleistungssektor in Deutschland 2017 genau 3.771 Euro. Nach Geschlechtern aufgeschlüsselt ergibt sich ein Wert von 3.964 Euro für Männer und 3.330 Euro für Frauen. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst liegt für Männer in Deutschland bei 21 Euro (Vollzeit oder Teilzeit). Frauen verdienen 16,59 Euro in der Stunde, also 21 % weniger als Männer.

Aber nicht nur das Geschlecht wirkt sich auf den tatsächlichen Verdienst aus. Wie bereits eingangs erwähnt spielen auch folgende Faktoren bei der Höhe des Verdienstes eine Rolle:

  • Alter
  • Unternehmensgröße
  • Region/Bundesland
  • Branche

Welches Durchschnittsgehalt sich unter Berücksichtigung dieser einzelnen Faktoren jeweils ergibt, möchten wir euch nicht vorenthalten.

1.) Durchschnittsverdienst nach Alter

Laut Statistischem Bundesamt liegt der durchschnittliche Bruttostundenverdienst bei den Unter-30-Jährigen bei rund 13 Euro. Dieser Bruttostundenverdienst steigt kontinuierlich an und erreicht der Statistik zufolge in der Altersspanne von 45 bis 49 Jahren mit 19,18 Euro pro Stunde seinen Höhepunkt. Anschließend sinkt der Stundenverdienst stetig. Bei den Über-60-Jährigen liegt er laut Statistik im Schnitt noch bei 17,25 Euro.

2.) Durchschnittsverdienst nach Unternehmensgröße

Generell gilt: Je größer das Unternehmen, desto besser das Gehalt. Das belegt auch die Statistik des Bundesamtes. Bei einem Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern liegt der Bruttostundenverdienst laut Statistik bei 21,99 Euro, bei einem kleinen Unternehmen mit maximal 9 Mitarbeitern hingegen liegt er gerade einmal bei 12,39 Euro – also deutlich darunter.

In Großunternehmen verdienen die Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt somit rund 77 % mehr als in Kleinstunternehmen. Der Grund ist schnell erklärt. Große Unternehmen verfügen schlichtweg über ein größeres Kapital.

3.) Durchschnittsgehalt nach Bundesländern:

Dem Stepstone-Gehaltsreport 2018 zufolge lässt sich in Hessen am besten verdienen. Fach- und Führungskräften winken dort Bruttodurchschnittsgehälter von über 63.000 Euro. Am wenigsten verdient man hingegen in Mecklenburg-Vorpommern. Dort erhalten Fach- und Führungskräfte lediglich rund 43.000 Euro – satte 20.000 Euro weniger. Generell liegt der Verdienst in den östlichen Bundesländern deutlich niedriger als in den westlichen Bundesländern, nämlich bei rund 42.000 bis 45.000 Euro im Jahr.

Das Stepstone-Ranking im Detail:

  1. Hessen: 63.353 Euro
  2. Baden-Württemberg: 62.096 Euro
  3. Bayern: 61.703 Euro
  4. Nordrhein-Westfalen: 59.765 Euro
  5. Hamburg: 57.338 Euro
  6. Saarland: 56.818 Euro
  7. Rheinland-Pfalz: 56.653 Euro
  8. Bremen: 56.264 Euro
  9. Niedersachsen: 54.329 Euro
  10. Schleswig-Holstein: 53.853 Euro
  11. Berlin: 52.325 Euro
  12. Sachsen: 45.201 Euro
  13. Thüringen: 44.765 Euro
  14. Brandenburg: 44.238 Euro
  15. Sachsen-Anhalt: 44.223 Euro
  16. Mecklenburg-Vorpommern: 42.648 Euro

Auch bei einer Xing-Gehaltsstudie aus dem Jahr 2018 rankt Hessen auf Platz 1. Demnach kommen Fach- und Führungskräfte in Hessen auf fast 73.000 Euro brutto im Schnitt – inklusive Boni, Weihnachts- und Urlaubsgeld. Zum Vergleich: Der Wert für ganz Deutschland liegt der Studie zufolge bei 67.651 Euro.

Begründen lassen sich die verhältnismäßig geringen Gehälter in den östlichen Bundesländern damit, dass kapitalstarke Firmen ihren Sitz in den alten, also den westdeutschen Bundesländern haben. In den neuen Bundesländern hingegen sind vor allem kleine bis mittelgroße Unternehmen angesiedelt.

Des Weiteren unterscheiden sich auch die Lebenshaltungskosten und Mietpreise in den neuen und alten Bundesländern zuweilen erheblich. Und dies wiederum spielt bei der Gestaltung der Löhne ebenso eine Rolle wie die Anzahl von Unternehmen, die in einer Region ihren Sitz haben. In Bayern, Hessen und Baden-Württemberg, also den lohnstärksten Bundesländern, sind die Lebenshaltungskosten und die Mietpreise höher als in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Auch die Anzahl der Unternehmen, die sich in den lohnstärksten Bundesländern angesiedelt haben, liegt deutlich über der Anzahl der Unternehmen in den lohnschwachen Bundesländern.

4.) Durchschnittsgehalt nach Branche: Das verdienen Vollzeitbeschäftigte

Vergleicht man die unterschiedlichen Branchen miteinander, tritt ebenfalls eine nicht unerhebliche Diskrepanz bei den Durchschnittsgehältern zutage. So zahlt das produzierende Gewerbe laut Statistischem Bundesamt höhere Durchschnittsgehälter als der Dienstleistungssektor. An der Spitze der Gehaltstabelle stehen laut Statistischem Bundesamt jedoch die Finanz- und Versicherungsdienstleister mit einem Durchschnittsgehalt von über 74.000 Euro jährlich. Besonders groß ist das Gehaltsgefälle zwischen eben diesen Finanz- und Versicherungsdienstleistern und den Beschäftigten im Gastgewerbe. Letztere verdienen im Schnitt rund 28.000 Euro.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der Stepstone-Gehaltsreport 2018. Zu den Top 5-Branchen gehören laut Gehaltsreport folgende Wirtschaftssektoren:

  1. Pharmaindustrie: Bruttojahresverdienst 69.377 Euro
  2. Banken: Bruttojahresverdienst 69.212 Euro
  3. Fahrzeugbau und Fahrzeugzulieferer: Bruttojahresverdienst 66.896 Euro
  4. Chemie- und Erdöl-verarbeitende Industrie: Bruttojahresverdienst 66.184 Euro
  5. Maschinen- und Anlagenbau: Bruttojahresverdienst 65.353 Euro

Der Gehaltsatlas: Ergebnisse und Auffälligkeiten

Welche Berufe besonders lukrativ sind, darüber gibt jedes Jahr der Gehaltsatlas des Online-Portals gehalt.de Aufschluss.

Für den Gehaltsatlas 2018 wurden 750.848 Gehaltsangaben der Portale gehalt.de, gehaltsvergleich.com sowie des Beratungsunternehmens Compensation Partner ausgewertet. Herangezogen wurden die Gehälter der letzten zwölf Monate.

Auch die Ergebnisse des Gehaltsatlas weisen große Gehaltsunterschiede auf. Die bestbezahlte Berufsgruppe verdient auf das Jahr gerechnet rund 100.000 Euro mehr als die am schlechtesten bezahlte Berufsgruppe.

Am besten verdienen laut Gehaltsatlas Oberärzte (121.207 Euro), gefolgt von Fachärzten (82.406 Euro) und Fondsmanagern (84.025 Euro). Am schlechtesten schnitten hingegen Angestellte im Zimmerservice (20.641 Euro), Angestellte im Restaurant/Küchenpersonal (21.342 Euro) und Friseure (22.816 Euro) ab.

Im Durchschnitt verdient ein Oberarzt also 121.207 Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Gehalt für Fach- und Führungskräfte ohne Personalverantwortung liegt laut Gehaltsatlas-Studie bei 44.000 Euro brutto jährlich.

Woraus die Gehaltsunterschiede resultieren und wie sich die Top 10 der bestbezahlten Berufe und die Top 10 der am schlechtesten bezahlten Berufe zusammensetzen, erfahrt ihr hier.

Deutschland im europäischen Vergleich

Im europäischen Vergleich zählen die Deutschen einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zufolge zu den Einkommensstarken in der EU. Aber: Die Studie zeigt auch, dass Deutschland kein besonders egalitäres Land ist. Ob in Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Finnland oder (besonders ausgeprägt) in Österreich, der Schweiz und Skandinavien – in allen diesen Staaten ist die Schicht der Einkommensarmen kleiner und die Mittelschicht gefestigter als in Deutschland. Vor allem, wenn man die Kaufkraft des Einkommens betrachtet, also die unterschiedlich hohen Preisniveaus in den einzelnen Ländern berücksichtigt, kommen die Deutschen nicht mehr ganz so gut weg. Daran hat leider auch die Einführung eines allgemeinen Mindestlohns nichts geändert. Ein existenzsicherndes Einkommen kann auch diese Lohn-Untergrenze nicht garantieren.

Dass es in Deutschland vor allem in puncto Mindestlohn noch Nachholbedarf gibt, belegt auch der WSI-Mindestlohnbericht. Im internationalen Vergleich liegt der aktuell in Deutschland geltende Mindestlohn von 8,84 Euro eher im mittleren Bereich. Während der Mindestlohn in anderen westeuropäischen Ländern längst über der 9-Euro-Marke liegt, hinkt Deutschland noch hinterher.

Fazit

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Deutschland in der Tat ausgeprägter als in vielen europäischen Nachbarstaaten. Dennoch zählen die Deutschen nach wie vor zu den Einkommensstarken in der EU. Den meisten Deutschen geht es daher tatsächlich gut. Nichtsdestotrotz herrscht hierzulande jedoch auch Nachholbedarf, z.B. bei den Verdienstunterschieden zwischen Männern und Frauen, beim Mindestlohn sowie beim Verdienstabstand zwischen den alten und neuen Bundesländern. Hieran gilt es zu arbeiten.

Empfindet ihr die Gehälter in Deutschland als fair? Wir freuen uns auf eure Kommentare und Meinungen!


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