Bewerbungstrends 2019: Kommt die klassische Bewerbung aus der Mode?

Ein formvollendetes Anschreiben war früher Standard bei einer Bewerbung. Heute messen viele Unternehmen dem Anschreiben keine große Bedeutung mehr bei. Auch das klassische Bewerbungsfoto ist heutzutage kein „Muss“ mehr. Und in Sachen Lebenslaufgestaltung herrscht schon längst kein starres Muster mehr vor. Kommt die klassische Bewerbung also immer mehr aus der Mode? Wir sind dieser Frage einmal nachgegangen und haben die Bewerbungstrends 2019 genauer unter die Lupe genommen!

Vorwort: Besser individuell statt klassisch

Eine Bewerbung muss professionell sein. So weit, so gut. Professionell impliziert jedoch längst nicht mehr, dass man sich an angestaubte Standards in puncto Format und Aufbau halten muss. Im Gegenteil. Damit die Bewerbung dem Personaler positiv ins Auge sticht, darf (und sollte) die Bewerbung ruhig ein wenig individuell sein. Nur durch eine individuelle Note gelingt es, sich von den anderen Bewerbern abzuheben. Übertreiben sollte man es allerdings nicht. Die Bewerbung muss selbstverständlich nach wie vor den eigentlichen Zweck erfüllen: sich selbst und die eigenen, für die Stelle relevanten Kenntnisse und Fähigkeiten, die man mitbringt, gut und auf den Punkt gebracht zu präsentieren.

Eine Bewerbung sollte also summa summarum professionell, aber eben auch individuell sein. Insofern hat die klassische Bewerbung in der Tat ausgedient. Wer sich strikt an 08/15-Vorgaben hält und noch dazu Standardformulierungen verwendet, wird sich damit kaum aus der Masse hervorheben – zumindest nicht im positiven Sinne. Die Folge: Die Bewerbung landet direkt auf dem „Nein“-Stapel des Personalers.

Es kann also in der Tat nicht schaden, sich die neusten Bewerbungstrends einmal vor Augen zu führen. Wie man 2019 mit einer Bewerbung überzeugt, verraten wir euch jetzt!

Das sind die Bewerbungstrends 2019

Individuell bedeutet, dass die Bewerbung dem eigenen Wesen entspricht. Diese individuelle Note kann die Bewerbung sowohl farblich, grafisch als auch bei der Wortwahl aufweisen. Hauptsache, man hebt sich von der Masse ab und weckt die Neugier des Personalers. Denn nur dann widmet er der Bewerbung einen zweiten Blick.

Aber nicht nur optisch geht der Trend 2019 weg von der klassischen Bewerbung. Auch die Art und Weise, wie die Bewerbungsunterlagen übermittelt werden, durchläuft seit Jahren einen Wandel. Der Digitalisierung sei Dank bieten sich Bewerbern inzwischen zahlreiche Optionen, ihre Bewerbung an den Mann zu bringen.

Viele Unternehmen sind längst dazu übergegangen, ihr Bewerbungsverfahren online zu gestalten. Die klassische Bewerbung, die ausgedruckt und fein säuberlich in einer adäquaten Mappe abgeheftet per Post den Personaler erreicht, ist inzwischen oftmals eher die Ausnahme als die Regel. Viele Unternehmen fordern sogar explizit eine Online-Bewerbung, um den organisatorischen Aufwand zu minimieren und gleichzeitig die Vergleichbarkeit der Bewerber zu maximieren. Vor allem in modernen Branchen hat die klassische postalische Bewerbung im Papierformat ausgedient. Viele Personaler möchten sich schlichtweg nicht mehr durch ein häufig belangloses Anschreiben oder einen viel zu ausführlichen Lebenslauf kämpfen, ehe sie zum Wesentlichen, nämlich den Qualifikationen des Bewerbers gelangen, die für die Stelle relevant sind. Zeit ist nun mal Geld – auch beim Bewerbungsprozess.

Bevor wir uns also den neusten Bewerbungstrends widmen, möchten wir zunächst auf die Art und Weise eingehen, wie Bewerbungen 2019 übermittelt werden können.

So werden Bewerbungen 2019 übermittelt:

1. Die Online-Bewerbung

Online-Bewerbungen werden inzwischen von der Mehrheit der Personaler und Unternehmen bevorzugt. Auch für Bewerber bringt diese Entwicklung Vorteile mit sich. So fallen beispielsweise die Versandkosten und die unzähligen Blätter Papier weg. Wird die Bewerbung online versendet, kommen die Unterlagen außerdem garantiert knitterfrei und ohne Kaffeeflecken beim Personaler an.

Unter einer Online-Bewerbung versteht man zum einen den Versand der Bewerbung per E-Mail, zum anderen das Ausfüllen eines Bewerbungsformulars, das das Unternehmen z.B. in einem Bewerbungsportal auf der Unternehmenshomepage zur Verfügung stellt. Vor allem die letzte Variante ist bei Unternehmen und Personalern inzwischen beliebt. Durch die vorformulierten Fragen und Antwortmöglichkeiten kommen die Bewerber direkt zum Punkt. Es werden somit nur die wesentlichen Informationen übermittelt – ohne das übliche Blabla, das ein klassisches Bewerbungsanschreibens oftmals aufweist. Ein weiterer Vorteil für die Personaler: Die einzelnen Bewerber können durch das Ausfüllen desselben Online-Formulars besser verglichen werden.

2. Das Online-Profil

2019 nimmt auch der Stellenwert eines Online-Profils für Bewerber immer mehr zu. Denn auch Online-Profile in renommierten beruflichen Netzwerken wie XING oder LinkedIn bieten Bewerbern heutzutage gute Möglichkeiten, sich zu präsentieren und somit Unternehmen auf sich aufmerksam zu machen oder einflussreiche Kontakte zu knüpfen. Sich quasi finden zu lassen, anstatt selbst aktiv auf Jobsuche zu gehen, kann heutzutage durchaus von Erfolg gekrönt sein – dem Fachkräftemangel sei Dank. 2019 geht man also nicht nur aktiv auf Jobsuche, auch die passive Jobsuche über berufliche Netzwerke gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Wichtig: Wer über ein Online-Profil verfügt, sollte es unbedingt pflegen und immer aktualisieren.

3. Die eigene Bewerbungshomepage

Alternativ (oder zusätzlich) zu einem Online-Profil in einem beruflichen Netzwerk ist auch eine eigene Bewerbungshomepage eine gute Möglichkeit, bei Personalern zu punkten. Eine professionelle Bewerbungshomepage kann das entscheidende Zünglein an der Waage sein, um sich von den anderen Bewerbern abzuheben. Nicht nur, dass man mit einer Bewerbungshomepage Engagement, Motivation und Computeraffinität beweist, sie bietet außerdem eine hervorragende Möglichkeit, eigene Arbeitsproben zu präsentieren.

Wie eine professionell gestaltete Bewerbungshomepage aussehen sollte und worauf es unbedingt zu achten gilt, könnt ihr unserem Artikel „Eine eigene Homepage für die Bewerbung: So geht es richtig!“ entnehmen.

4. Die One-Click-Bewerbung

Auch sogenannte One-Click-Bewerbungen sind 2019 immer mehr im Kommen. Wer über ein Online-Profil bei einem beruflichen Netzwerk verfügt, kann mit nur einem Klick auf den entsprechenden Button sein Profil direkt in die Datenbank des Wunschunternehmens übertragen – ohne das soziale Netzwerk zu verlassen. Solche One-Click-Bewerbungen gehören z.B. bei XING und LinkedIn zum Service.

XING bietet alternativ z.B. auch einen „Kontaktieren Sie mich“-Button bei Stellenanzeigen in der eigenen Jobbörse an. Damit überlässt man es ganz einfach dem Unternehmen zu entscheiden, ob man für eine Stelle überhaupt in Frage kommt. Anstatt also eine womöglich von vornherein aussichtslose Bewerbung zu schreiben, kann man das jeweilige Unternehmen mit einem Klick zunächst einmal lediglich auf sich aufmerksam machen. Anhand des Online-Profils können die Personaler dann entscheiden, ob sie Kontakt zum Bewerber aufnehmen möchten oder nicht. Einfacher und zeitsparender geht es wohl kaum.

Wichtig: Auch hier gilt jedoch, bevor man einem Unternehmen das eigene Online-Profil präsentiert, sollte man dafür sorgen, dass das Profil auch optimal gestaltet ist.

5. Das Mobile Recruiting

Und last but not least soll an dieser Stelle auch das Mobile Recruiting nicht unerwähnt bleiben. 2019 bieten viele Unternehmen potenziellen Bewerbern nämlich neue Kommunikationswege an, um mit ihnen in Kontakt zu treten. So können interessierte Bewerber z.B. bei Fragen zur Stelle kurz eine Nachricht per WhatsApp an das Unternehmen senden. Und auch Jobinterviews, die via Skype stattfinden, wird es 2019 wohl immer häufiger geben. Den Möglichkeiten des Mobile Recruiting sind schier keine Grenzen gesetzt.

Die Bewerbungstrends:

Zeit ist also, wie bereits erwähnt, Geld. Daher sind viele Unternehmen dazu übergegangen, das Bewerbungsverfahren zu optimieren – und sowohl sich selbst als auch dem Bewerber Zeit zu sparen. Nicht nur, dass Bewerbungen immer häufiger explizit online gewünscht werden, auch die Standards haben sich in den letzten Jahren verändert. So wird z.B. ein klassisches Anschreiben immer häufiger durch ein Motivationsschreiben ersetzt (welche Vorteile der Verzicht auf ein Anschreiben bietet, könnt ihr in unserem Artikel „Bewerbung ohne Anschreiben: Vor- und Nachteile“ nachlesen). Auch ein Bewerbungsfoto gehört seit Inkrafttreten der Datenschutzverordnung längst nicht mehr zum Standard, ebenso wie zahlreiche ehemals obligatorische Angaben zur Person, die durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nicht mehr erforderlich sind. Kurz gesagt: Das Bewerbungsverfahren durchläuft in der Tat einen Wandel.

Folgende Bewerbungstrends sind in den letzten Jahren deutlich zu erkennen und werden sich wohl auch 2019 weiter fortsetzen:

1. Die Kurzbewerbung (bzw. Kurzprofil)

Für Personaler hat es nicht mehr oberste Priorität, dass Bewerber angestaubte, klassische Standards einhalten. Sie wollen bei Bewerbungen vielmehr auf einen Blick erkennen können, ob ein Kandidat Potenzial hat oder nicht. Der Trend geht daher seit Jahren zu Kurzbewerbungen bzw. Kurzprofilen, die auf maximal einer Seite als Appetizer dienen und in einer Kurzfassung die wichtigsten Stationen und Fähigkeiten aufzeigen, die ein Jobkandidat mitbringt. Eine Kurzbewerbung ist also quasi eine Art Kurzlebenslauf, bei dem nicht lange um den heißen Brei geredet, sondern sich aufs Wesentliche konzentriert wird. Denn wie bereits erwähnt: Zeit ist Geld – für den Personaler und den Bewerber.

2. Der Bewerbungsflyer

Eine besonders elegante Version einer solchen Kurzbewerbung ist ein Bewerbungsflyer. Ein Bewerbungsflyer ist im Grunde eine komprimierte Form einer klassischen Bewerbung und beinhaltet die wesentlichen Informationen aus dem Anschreiben und dem Lebenslauf eines Bewerbers. Hierbei nimmt er jedoch nicht mehr Platz als Vorder- und Rückseite eines DIN-A4-Blattes ein. Ein Bewerbungsflyer eignet sich zwar nicht für alle Branchen und Berufe (in eher konservativen Branchen sollte man besser auf eine normale Bewerbung setzen), in kreativen Branchen bietet er jedoch eine gute Möglichkeit, den Personaler von sich zu überzeugen.

Wie ein solcher Bewerbungsflyer bestenfalls aussehen und welche Informationen er enthalten sollte, könnt ihr hier nachlesen.

3. Das Bewerbungsvideo

Bisher nutzen nur rund 7 Prozent der Bewerber die Möglichkeit eines Bewerbungsvideos. Dabei freuen sich einer Umfrage zufolge rund 90 Prozent aller Recruiter über diese moderne Form der Selbstpräsentation. Der Trend könnte 2019 also zunehmen, mehr Bewerber könnten sich diese Bewerbungsvariante zunutze machen. Schließlich bietet ein Bewerbungsvideo jede Menge Möglichkeiten und Spielraum für die oft geforderte Individualität und die Darstellung eines Alleinstellungsmerkmals. Allerdings ist ein Bewerbungsvideo eine Ergänzung und KEIN ERSATZ für eine normale Bewerbung. Ein Video allein genügt den Personalern also auch 2019 nicht. Dennoch ist es eine gute Möglichkeit, eine Bewerbung aufzuwerten und die Chance auf den Job zu erhöhen.

Übrigens kann ein Bewerbungsvideo z.B. ganz hervorragend in eine Bewerbungshomepage eingebunden werden.

Die innovativsten Bewerbungsverfahren:

Nicht unerwähnt bleiben, sollen an dieser Stelle auch zwei weitere, besonders innovative Bewerbungsverfahren, die 2019 an Bedeutung gewinnen könnten.

1. Das Speed Recruiting

Das Konzept, das viele aus dem Bereich der Partnersuche kennen, wird inzwischen auch für die Personalauswahl angewendet. Die Idee bleibt dabei ebenso simpel: Personaler verschiedener Arbeitgeber sitzen an unterschiedlichen Tischen, Bewerber und somit potenzielle neue Mitarbeiter gesellen sich dazu und beide Seiten haben in der Regel zwischen drei und zehn Minuten Zeit, herauszufinden, ob eine Zusammenarbeit denkbar ist.

Nähere Informationen zu diesem neuen, innovativen Einstellungsverfahren könnt ihr unserem Artikel „Speed Recruiting: Ablauf, Vor- und Nachteile“ entnehmen.

2. Recruiting-Games bzw. Recruitainment

Ein weiteres innovatives Bewerbungsverfahren, das 2019 im Kommen sein dürfte, sind sogenannte Recruiting-Games (auch Recruitainment genannt). Wie der Name vermuten lässt, sind diese Einstellungstests an Online-Spiele angelehnt und sollen die oftmals starren und strengen Online-Assessment-Center aufwerten. Recruiting-Games entsprechen also zwar im Grunde einem Online-Assessment-Center, sie testen die Fähigkeiten der Bewerber jedoch auf spielerische Art und Weise und sind dabei sogar mit etwas Storytelling gespickt. Die Bewerber müssen Aufgaben lösen und Fragen beantworten, die meistens von netten Comic-Figuren in Corporate-Farben gestellt werden.

Ziel des Recruitainment ist es also, noch fehlende Fakten abzufragen oder die Problemlösungsfähigkeiten der Bewerber zu testen. Solche „Spiele“ bieten dafür eine hervorragende Option. Es ist also gut möglich, dass euch Recruiting-Games des Öfteren begegnen, wenn ihr 2019 auf Jobsuche geht.

Übrigens:

Ein Trend der letzten Jahre, der sich auch 2019 fortsetzen dürfte, ist die aktive und gezielte Jobsuche auf Job- und Karrieremessen. Solche Events sind nicht nur eine hervorragende Möglichkeit Informationen zu erhalten, sondern auch (oder vor allem), um direkten Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern herzustellen. Job- und Karrieremessen bieten beste Chancen, das Gespräch mit Personalern zu suchen und ihnen z.B. in Form eines Bewerbungsflyers direkt vor Ort Bewerbungsunterlagen auszuhändigen.

Und selbst wenn es mit dem Job nicht auf Anhieb klappen will, sind Messen und Events ideal, um das eigene berufliche Netzwerk auszubauen und langfristig vom eigenen Engagement zu profitieren.

Fazit

Grundsätzlich macht man mit einer klassischen Bewerbung auch 2019 nichts verkehrt (es sei denn, es wird ausdrücklich etwas anderes gefordert). Dennoch sollte man keinesfalls die Augen vor den neusten Bewerbungstrends verschließen. Besonders Bewerber, die sich für eine Position in einer modernen, kreativen Branche interessieren, sollten durch eine individuelle, innovative Bewerbung, die die neusten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt berücksichtigt, beweisen, dass sie den Finger am Puls der Zeit haben.

Nichtsdestotrotz bedeuten die neusten Bewerbungstrends natürlich nicht, dass alle Bewerbungsstandards ihre Gültigkeit verlieren. Im Gegenteil: Eine fehlerfreie Rechtschreibung und Grammatik oder der lückenlose Lebenslauf sind auch 2019 unerlässlich. An Bedeutung gewonnen hat jedoch definitiv die Optik. Eine individuelle Note sollte eine Bewerbung unbedingt aufweisen. Und: Der Trend geht auch 2019 eindeutig in Richtung Online-Bewerbung.

Inwiefern sich die neusten, innovativen Konzepte wie z.B. das Speed Recruiting durchsetzen werden, bleibt indessen abzuwarten.


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