Fernstudium: Wichtige Hinweise und Überblick

Voraussetzungen, Vor- und Nachteile & Kriterien zur Auswahl

Fernstudiengänge boomen. 2016 waren knapp 160.000 Studierende in Deutschland in Fernuniversitäten immatrikuliert. Ein Fernstudium ist eine ideale Möglichkeit, neben dem Beruf einen (weiterführenden) akademischen Abschluss zu erwerben. Studien zeigen: Für Arbeitgeber zählt ein Fernstudium genauso viel wie ein Präsenzstudium. Arbeit, Familie und abends stundenlang über Büchern brüten? Das erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin, Organisationstalent und einen starken eigenen Leistungsanspruch. Doch die Mühe zahlt sich aus. Ein Fernstudium kann dir zu einem echten Karrieresprung verhelfen. 

Aber ist ein Fernstudium für dich das Richtige? Nach welchen Kriterien solltest du den Anbieter auswählen? Was gibt es noch zu beachten? In diesem Artikel klären wir die wichtigsten Fragen rund um das Thema Fernstudium. Die eigentliche Entscheidung können wir dir zwar nicht abnehmen. Aber wir können dich auf deinem Weg dorthin unterstützen.

Anerkanntes Fernstudium oder Fernlehrgang – Zertifikate

Fernstudi.net verzeichnet sämtliche Fernhochschulen in Deutschland. Der Begriff „Fernstudium“ ist allerdings nicht geschützt. Das bedeutet, dass jedes Institut Fernstudiengänge anbieten und Zertifikate ausstellen kann.

Damit du einen Bachelor-, Master- oder MBA-Abschluss erwerben kannst, muss das Fernstudium staatlich anerkannt sein. Eine Akkreditierung erfolgt entweder durch die staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) oder durch den Wissenschaftsrat.

Die am häufigsten gewählten Studiengänge an Fernuniversitäten

Ein Fernstudium gilt als Karrieretreiber. Darum ist das Interesse von Berufstätigen an Fernstudiengängen groß. Jährlich wächst dieser Sektor um 7 %. Besonders betriebswirtschaftliche Studiengänge, Ingenieurswissenschaften, Informatik und rechtswissenschaftliche Fächer, aber auch Studiengänge im Gesundheitswesen, sind beliebt. Willst du beruflich vorwärtskommen, solltest du ein Studienfach wählen, was direkten Bezug zu deiner derzeitigen Tätigkeit hat. Es sei denn, du planst eine berufliche Neuorientierung. Dann hilft dir ein Fernstudium als Quereinsteiger in deinem Wunschberuf Fuß zu fassen.

Die Top 5 der beliebtesten Fernuniversitäten

Du hast die Wahl: Möchtest du ein Fernstudium an einer staatlichen Einrichtung aufnehmen? Oder kommt eine private (Fach)Hochschule für dich ebenfalls in Frage? An einer staatlichen Universität ist das Fächerangebot breiter. Die Ausbildung ist wissenschaftlicher, und auch eine Promotion ist möglich. Zusätzlich sind Bachelor-Studiengänge um einiges günstiger als bei privaten Anbietern. Dementsprechend überlaufen sind staatliche Hochschulen. Das kann sich auf die Qualität der Betreuung auswirken.

Fernstudiengänge an Fachhochschulen sind eher praktisch und weniger wissenschaftstheoretisch ausgerichtet. Allerdings ist die Fächerauswahl kleiner. Dazu kommen deutlich höhere Studiengebühren.

  • Der mit Abstand beliebteste Anbieter in Deutschland ist die Fernuniversität Hagen. Dort studieren rund 70.000 Menschen. Es handelt sich dabei um die einzige staatliche deutsche Fernuniversität.
  • Platz 2 belegt die Hamburger Fernhochschule mit ungefähr 10.500 Studierenden.
  • Die drittbeliebteste Institution ist die Internationale Hochschule Bad Honnef in Bonn mit rund 8.200 Studierenden.
  • Auf dem vierten Platz folgt die Europäische Fernhochschule Hamburg mit ca. 7.300 Studierenden.
  • Nummer 5 ist die Wilhelm Büchner Hochschule (ca. 6.500 Studierende).

Abgesehen von der Fernuni Hagen sind die genannten Institute private, staatlich anerkannte Hochschulen.

Trendstudie Fernstudium 2016

Um dir einen Eindruck davon zu geben, wie die aktuelle Situation aussieht, haben wir uns mit den Ergebnissen der Befragung zur „Trendstudie Fernstudium 2016“ von der IUBH (International University of Applied Sciences), Internationale Hochschule, beschäftigt. Insgesamt nahmen 2.644 Personen an dieser Untersuchung teil.

  • 2.079 Frauen und Männer (78,8 %) waren zum Zeitpunkt der Untersuchung dabei, ein Fernstudium zu absolvieren.
  • 171 der Informanden hatten ihr Fernstudium bereits mit Erfolg beendet
  • 64 Personen (2,4 %) hatten ihr Fernstudium abgebrochen
  • 157 Teilnehmer (5,9 %) planten nach eigener Aussage, ein Fernstudium aufzunehmen
  • 167 Menschen (6,3 %) waren prinzipiell interessiert, hatten aber keinen konkreten Plan.
  • Die übrigen 0,2 %, eine verschwindend kleine Minderheit, hatten kein Interesse an einem Fernstudium.

Die meisten Studierenden absolvierten Bachelorstudiengänge (76,5 %). Das heißt, es handelte sich um ihr Erststudium. Die übrigen 23,5 % waren mit weiterführenden Studienprogrammen beschäftigt, um ihren Master, ihr Diplom oder sogar ihren Doktortitel abzulegen.

Fächer und Fachrichtungen

Am beliebtesten waren die Wirtschaftsfächer, was nicht überraschend ist, da die meisten Studierenden ihre berufliche Position stärken wollen. Damit öffnet sich der Weg in das mittlere und höhere Management.

  • 55 % studierten BWL oder VWL
  • 18,9 % studierten im IT-Bereich
  • 4,7 % studierten Pflege- und Gesundheitswissenschaften
  • 4,1 % studierten Rechts- und Staatswissenschaften
  • 6,8 % studierten andere Studienfächer

Gründe für ein Fernstudium

Trendstudie 2016 hat die vorrangigen Gründe, die zur Aufnahme eines Fernstudiums geführt haben, ermittelt:

  • Am wichtigsten war für die Befragten die Verbesserung von Chancen am Arbeitsmarkt (71,4 %).
  • Dicht dahinter folgen berufliche Aufstiegsmöglichkeiten (71,1 %).
  • Die persönliche Weiterentwicklung war 67,9 % der Studienteilnehmer wichtig.
  • Eine finanzielle Verbesserung erhofften sich 57,7 % der Befragten.
  • An einer Vertiefung ihrer fachlichen Qualifikation waren 53,5 % der Fernstudierenden interessiert.
  • Eine fachliche Veränderung strebten dagegen nur 27,1 % an.
  • Die Übernahme einer Vorbildfunktion, beispielsweise gegenüber Kindern, spielte für 11,2 % eine Rolle.

Die berufsbezogene Ausrichtung ist ein deutlicher Unterschied im Vergleich zu Studierenden, die direkt nach dem Abitur ein Universitätsstudium aufnehmen. Wer nebenberuflich ein Fernstudium beginnt, hat ein konkretes Ziel im Kopf. Das ist ein Vorteil: Man weiß genau, warum man die Arbeit und den Stress auf sich nimmst. Die Entscheidung zu studieren, wird sehr bewusst und nach reiflicher Überlegung gefällt.

Die Trendstudie zeigt, dass das Durchschnittsalter der Fernstudierenden bei 30,2 Jahren lag. Das Geschlechterverhältnis war dabei relativ ausgewogen: 51,6 % Frauen und 48,8 % Männer hatten 2016 ein Fernstudium aufgenommen. Bei einem Präsenzstudium an der Universität befindet sich die Mehrheit der Studierenden in den 20gern. Wer älter ist, fühlt sich in dieser Gemeinschaft nicht mehr unbedingt wohl. Ein Fernstudium kannst du jederzeit und in jedem Alter aufnehmen.

Zugangsvoraussetzungen zum Fernstudium

Die Zugangsvoraussetzungen variieren. Welcher Studiengang zu deinem Schulabschluss und deinen beruflichen Erfahrungen passt, findest du in den Bestimmungen der jeweiligen Fernschule. Teilweise kannst du deine Studienzeit verkürzen, indem du deine Vorbildung und Vorerfahrungen einbringst. Dadurch sparst du auch Studiengebühren. Anerkannt werden unter anderem Studienleistungen an anderen Hochschulen, erreichte Abschlüsse, zum Beispiel von der IHK, bestimmte Berufsausbildungen und Deine beruflichen Erfahrungen.

  • 11,5 % der Teilnehmer der Trendstudie Fernstudium 2016 besaßen einen Hauptschul- oder Realschulabschluss. Die Berechtigung zum Hochschulstudium erhielten sie aufgrund ihrer berufspraktischen Erfahrung.
  • Mehr als doppelt so viele (22,7 %) haben das Fernstudium mit der Fachhochschulreife begonnen.
  • 35,8 % besaßen ein allgemeines Abitur.
  • 30 % der Studierenden hatten vor Aufnahme des Fernstudiums bereits ein Präsenzstudium an einer Universität mit Erfolg hinter sich gebracht.

Persönliche Voraussetzungen für ein berufsbegleitendes Fernstudium

Eignest du dich für ein Fernstudium? Willst du Vollzeit studieren, solltest du 40 Wochenstunden zusätzliche Arbeit einplanen. Das sind sieben Stunden täglich. Bei einem Teilzeitstudium verkürzt sich die Anzahl der Stunden, aber die Studienzeit wird entsprechend länger. Hast du so viel freie Zeit übrig?

1. Die Fähigkeit, autodidaktisch zu lernen

Du musst in der Lage sein, dir den Lernstoff weitgehend selbst zu erarbeiten. In den meisten Fällen kann das Studienmaterial komplett online heruntergeladen werden. Bei einigen Anbietern wird es allerdings noch wie früher auf dem Postweg verschickt. Kommunizieren kannst du mit den Dozenten via Chatbox oder über ein Forum. In der Regel kommt während des Fernstudiums ergänzend Material zum Einsatz, das explizit für E-Learning erstellt wurde.  Dadurch reduzieren sich unter Umständen sogar die erforderlichen Präsenzanteile, denn du kannst einfach von zu Hause aus an Videovorlesungen teilnehmen. Das heißt, du musst nicht unbedingt persönlich in die Uni fahren. Simulationen, Tests und Apps runden das Lernpaket ab.

Kannst du auf diese Weise Wissen aufnehmen? Seminare, in denen du von Angesicht zu Angesicht mit anderen Studierenden lernst, gibt es – wenn überhaupt – nur als seltene Blockveranstaltungen an den Wochenenden. Das heißt, du bist auf dich allein gestellt.

2. Selbstmotivation & Selbstdisziplin als Schlüsselqualifikationen

Das Setzen von Prioritäten ist essentiell. Ausreden zählen nicht. Selbst, wenn du erschöpft von der Arbeit nach Hause kommst, darf das Studium nicht vernachlässigt werden. Sonst wird es dir nicht gelingen, den Stoff in der vorgesehenen Zeit zu bewältigen. In beruflich anstrengenden Phasen ist das eine immense Herausforderung. Gelingt es dir, deinen „inneren Schweinehund“ zu überwinden? Schaffst du es, dich selbst immer wieder aufs Neue zum Lernen zu motivieren? Dich auch noch zu konzentrieren, wenn du schon acht Stunden gearbeitet und zwei Stunden im Verkehr hinter dir hast? Diese Selbstdisziplin ist ungemein wichtig. Für deine Hobbys und die Pflege von Freundschaften wird vermutlich keine Zeit übrigbleiben.

Einige Fernstudierende verlagern die Studienzeiten überwiegend auf das Wochenende. Um das Fernstudium durchzuhalten, brauchst du sehr viel Kraft. Viele starten zwar hochmotiviert, halten aber das straffe Tempo nicht durch.

3. Ohne Konkurrenzdruck lernen

Erst einmal klingt das wie ein Vorteil: Du lernst in deinem Tempo und der Konkurrenzdruck durch andere Seminarteilnehmer an der Uni entfällt. Aber… du hast dadurch auch weniger Ansporn. Sich ständig mit anderen messen zu müssen, heißt auch, man tut alles, um nicht hinter der Gruppe zurückzubleiben. Das zieht mit. Dazu kommt das fehlende Feedback. Selbstverständlich kannst du virtuelle Lerngruppen bilden. Aber das ist nicht dasselbe, wie vor Ort mit anderen Studenten zu diskutieren oder in Gruppenarbeit etwas zusammen zu erarbeiten.

4. Rückhalt von Partner & Familie

Dein Alltag muss so organisiert werden, dass dir neben der Arbeit genug Zeit zum Lernen und Üben bleibt. Ein Fernstudium stellt allerdings nicht nur hohe Anforderungen an dich. Es hat ebenso weitreichende Auswirkungen auf deine Familie. Du wirst sehr viel weniger Zeit haben, um Aufgaben im Haushalt zu übernehmen, dich um Probleme zu kümmern oder an Freizeitaktivitäten teilzunehmen. Steht dein Partner hinter dir? Kann er sich um die Verrichtung der alltäglichen Aufgaben und die Kindererziehung kümmern, während du studierst? Der Rückhalt deiner Familie ist überaus wichtig. Ein Fernstudium, das mit einem akademischen Grad endet, beschäftigt dich nicht nur ein paar Wochen oder Monate. Es dauert fünf bis sechs Jahre. In diesen Jahren wirst du deinen Partner im Alltag kaum noch unterstützen können.

Was dir ein Fernstudium bringt

Vor allem die beruflichen Möglichkeiten sprechen dafür, ein Fernstudium aufzunehmen. Mit höherer Bildung setzt du dich leichter gegen deine Konkurrenz durch.

  • Ein Fernstudium bietet dir die Chance, trotz Berufstätigkeit einen akademischen Grad zu erreichen.
  • Dein Netzwerk erweitert sich durch die Bekanntschaft mit Dozenten und Studenten. All das sind Fachkräfte, die dir beruflich später nützlich sein können.
  • Du demonstrierst deinem Arbeitgeber gegenüber Belastbarkeit, einen hohen eigenen Leistungsanspruch und Stressresistenz.
  • Du stellst unter Beweis, dass du Selbstdisziplin besitzt und effektives Selbstmanagement beherrscht.

So findest du den richtigen Anbieter für dich:

Die Entscheidung für eine Fernuniversität wird dich für Jahre an diese Institution binden. Darum solltest du in Ruhe sämtliche Möglichkeiten prüfen.

  • Informiere dich, wo dein Wunschstudiengang angeboten wird. Diese Fernlehrinstitute kommen in die engere Auswahl.
  • Finde heraus, wo du dein Fernstudium mit einem staatlich anerkannten Abschluss als Bachelor oder Master abschließen kannst.
  • Welchen Ruf hat die Fernhochschule? Findest du Erfahrungsberichte im Internet oder gibt es möglicherweise Freunde oder Bekannte, die eine Empfehlung aussprechen können?
  • Rechne die Studiengebühren aus. Denk dran, dass du eventuell ein oder zwei Semester länger brauchen könntest. Prüfungsgebühren, Fahrt- und Kopierkosten kommen vermutlich noch dazu. Bücher und Skripte müssen eventuell ebenfalls gekauft werden.
  • Fordere kostenlos und unverbindlich Informationsmaterial der Anbieter an, die dich interessieren. Beschäftige dich mit dem Internetauftritt der Fernunis. Was wird Studierenden dort geboten?
  • Die meisten Fernuniversitäten bieten eine Testphase an. Nutze diese Chance, um eine Probe aufs Exempel zu machen. Gefallen dir Einstieg, Aufbau und Struktur? Kommst du mit den Materialien zurecht?
  • Informiere dich bei einem persönlichen Beratungsgespräch, falls noch Fragen offen sich.

Erfolgsquote: Wie viele Studierende schaffen den Abschluss?

Die Fernuniversität Hagen schätzt, dass 70 % der Studierenden das Fernstudium vorzeitig abbrechen. Eine schockierend hohe Zahl. Martin Kurz vom Fachverband Forum DistancE-Learning geht bei den privaten Fernhochschulen von einer sehr viel niedrigeren Quote aus: Nur 20 bis 35 Prozent der Studierenden erreichen den angestrebten Abschluss angeblich nicht. Wie kommt dieser Unterschied zustande?

Möglicherweise liegt es daran, dass private Fernuniversitäten den Schwerpunkt auf praktische Fächer wie BWL legen. Dazu kommen die deutlich höheren Kosten von ca. 10.000,- € bis 18.000,- €. Wer so viel Geld investiert, sieht sich vielleicht eher in der Pflicht, das Studium tatsächlich durchzuziehen. Die Studentenzahl ist in der Regel niedriger. Dadurch ist eine umfassende Betreuung und Unterstützung der Studierenden eher möglich.

An der Fernuniversität Hagen studieren rund 70.000 Menschen. Das Studium ist dem Präsenzstudium an einer Universität gleichgestellt. Das heißt, die Ausrichtung ist eher theorielastig. Je nach Studiengang und Zeitdauer fallen 600,- € bis 2.000 € Gebühren für ein Studium an. Das ist sehr viel günstiger als das Studium an einer privaten Institution. Möglicherweise fällt die Entscheidung, beim Auftreten von Schwierigkeiten wieder aufzuhören, leichter.

Warum Fernstudenten scheitern

Fernstudierende haben ein Leben neben dem Studium. Sie können sich nicht exklusiv nur auf das Lernen konzentrieren.

  • Es gelingt nicht, das Studium dauerhaft mit dem Beruf und der Familie zu vereinbaren.
  • Ein ungeplanter Jobwechsel fordert die gesamte Kraft und Aufmerksamkeit.
  • Das Aufgabenfeld im Job ist anspruchsvoller geworden.
  • Aufgrund einer überraschenden Schwangerschaft kann das Studium nicht fortgesetzt werden.
  • Der geplante Hausbau muss teilweise in Eigenregie erfolgen. Dadurch fehlt zum Fortsetzen des Studiums die Zeit.

Vorteile Fernstudium

  • Flexibilität: Ein Fernstudium bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Anders als bei einem Präsenzstudium, kannst du selbst bestimmen, wann du dir den Stoff aneignest. Das ist ein riesengroßer Pluspunkt: Du bist nicht an feste Zeiten und Stundenpläne gebunden. Das Studium kannst du so in deinen Alltag integrieren, wie es für dich am besten passt. Lernen kannst du ebenfalls in deinem eigenen Tempo. Brauchst du etwas länger, um Sachverhalte zu durchschauen, ist das kein Problem. Dir steht es frei, das Studium nach Bedarf zu verkürzen oder zu verlängern.
  • Zeitersparnis: Da du nicht täglich zur Universität und zurück pendeln musst, sparst du wertvolle Zeit.
  • Individuelle Betreuung: Bei einem Fernstudium bekommst du oft einem konkreten Ansprechpartner zur Seite gestellt. Er beantwortet deine Fragen und unterstützt dich, falls es Probleme gibt. An Universitäten ist die Betreuung häufig nicht optimal. Die Professoren sind überlastet und haben kaum Zeit, sich um jeden einzelnen zu kümmern.
  • Online-Angebot: Fernhochschulen bieten meistens einen sehr gut ausgestatteten Online-Campus an. Dort kannst du dich beispielsweise direkt für Klausen anmelden, Einsicht in deine Noten nehmen oder mit Lehrkräften und Kommilitonen sprechen. Oft steht eine Reihe von speziell aufbereitetem Lehrmaterial zur Verfügung. Das können pdf-Files, Videokonferenzen oder Webinare sein.

Nachteile Fernstudium

  • Wenig Austausch: In einem Fernstudium fehlt der persönliche Face-to-Face-Austausch mit Dozenten und anderen Studierenden. Du bist weitgehend auf dich allein gestellt. Dadurch fehlen Konkurrenzdruck und direktes Feedback.
  • Zeitintensiv: Ein Fernstudium bedeutet Arbeit und kostet Zeit. Darunter leidet dein Privatleben. Vor allem für deine Beziehung kann ein jahrelanges Fernstudium zur Belastung werden.
  • Stress: Der Doppelbelastung durch Arbeit und Studium sind viele Fernstudierende nicht auf Dauer gewachsen.
  • Selbstorganisation: Da es keine konkreten Stundenpläne gibt, die du einhalten musst, bist du gezwungen, deine Lernphasen in Eigenregie zu organisieren.
  • Kosten: Ein Präsenzstudium ist häufig sehr viel günstiger als ein Fernstudium. In den meisten Bundesländern gibt es keine Studiengebühren mehr.
  • Eingeschränkte Auswahl: Die Bandbreite möglicher Fächer ist bei einem Präsenzstudium riesig. Per Fernstudium kann nur eine sehr kleine, eingeschränkte Auswahl studiert werden.

Fernstudium – Welche Kosten auf dich zukommen

Die Kosten sind von einer Reihe individueller Faktoren abhängig:

  • Dem gewählten Anbieter
  • Deinem Wunschstudiengang
  • Der Dauer deines Studiums
  • Dem Studienort

Gehe nicht unbedingt davon aus, dass dir das Studium in der Regelstudienzeit gelingt. Vielleicht bist du beruflich stark beansprucht. Oder du erkrankst während der angesetzten Prüfungsphase. Es gibt zahlreiche Gründe, die dein Studium in die Länge ziehen können. In der Regel sind zwar die Studienunterlagen im Preis enthalten. Aber du wirst ergänzende Materialien benötigen. Fahrten zur Bibliothek sind unter Umständen für dich nicht mehr zu realisieren, wenn du Vollzeit arbeitest, eine Familie hast und studierst. Dann wirst du vermutlich viele Bücher einfach kaufen. Falls du doch die Bibliothek besuchst, verbringst du aller Wahrscheinlichkeit nach Stunden am Kopierer. Diese Fahrten und Kopien kosten ebenfalls Geld. Mit der Zeit summiert sich das. Musst du für Präsenzphasen und das Ablegen von Prüfungen weite Anreisen in Kauf nehmen, wird es teurer, als wenn die Fernuniversität sich in deiner Nähe befindet. Prüfungsgebühren, Semesterbeiträge und eventuelle Nachhilfestunden solltest du ebenfalls einkalkulieren. Ein Fernstudium ist nicht billig.

Finanzierungsmöglichkeiten eines Fernstudiums

Die meisten Fernstudierenden zahlen die Gebühren und sonstigen Kosten aus eigener Tasche. Genau wie Teilnehmer eines Präsenzstudiengangs haben Fernstudenten allerdings die Möglichkeit, Fördergelder in Anspruch zu nehmen. Dazu gehören BAföG, Studienkredite und Stipendien. Manche Studiengänge werden durch Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit gefördert. Erkundige dich, was für dich in Frage kommt.

Teilweise unterstützen Arbeitgeber bei der Finanzierung des Studiums. Schließlich kommt ihnen dein Wissenszuwachs direkt zugute. Das kann in Form eines Bildungsurlaubs bzw. Sonderurlaubs zur Zeit der Prüfungen geschehen. Manche Firmen leisten einmal im Jahr einen Zuschuss oder erstatten sogar die komplette Studiengebühr nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums. Hier lohnt es sich nachzufassen.

Übrigens: Studiengebühren sind von der Mehrwertsteuer befreit und die Kosten beziehungsweise Ausgaben für ein Fernstudium lassen sich fast komplett von der Steuer absetzen.

Tipps, damit dir das Fernstudium gelingt

  1. Unterschätze den Aufwand nicht, den ein Fernstudium bedeutet. Schaufele dir eher zu viel als zu wenig Zeit zum Studieren frei.
  2. Richte dir einen separaten, ruhigen Arbeitsplatz ein. Du brauchst einen zuverlässigen Computer mit schnellem Internetanschluss und einen Drucker. Dein neues Home-Office sollte so wenig Ablenkung wie möglich enthalten. Wenn du dich an diesen frisch eingerichteten Platz setzt, solltest du deine gesamte Aufmerksamkeit bewusst auf das Studium lenken. Je konzentrierter du bei der Sache bist, desto schnell bewältigst du das Lernpensum.
  3. Plane feste Zeiten für deine Beschäftigung mit den Studieninhalten ein. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Termine helfen dabei, Automatismen zu erzeugen. Wenn du jeden Tag von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr am Schreibtisch sitzt, wird das nach kurzer Zeit ein Selbstläufer. Außerdem gewöhnt sich auch deine Familie daran, dass du währen dieser Stunden nicht gestört werden darfst.
  4. Suche Kontakt zu anderen Studierenden in deinem Fachbereich und bilde eine Lerngruppe. Das kann online geschehen, aber auch persönliche Treffen beinhalten. Hauptsache, du hast jemanden, mit dem du dich intensiv austauschen und den Stoff durchgehen kannst. Das motiviert ungemein. Offene Fragen lassen sich gemeinsam klären.
  5. Nimm dir zumindest einen Tag in der Woche Zeit für deinen Partner oder deine Familie. Das Fernstudium kann zur Belastungsprobe für eure Beziehung werden. Durch das kleine Zeitfenster, das dir bleibt, ist es besonders wichtig, „Quality Time“ mit den wichtigsten Menschen in deinem Leben zu verbringen. Mach nichts andere nebenbei, sondern schenke ihnen zumindest an einem Tag deine volle Aufmerksamkeit.

Fazit

Bei der Entscheidung, ein Fernstudium aufzunehmen, stehen vor allem Karriereziele im Vordergrund. Wer ein Fernstudium erfolgreich absolviert, gilt bei Personalern als motiviert, zielstrebig, flexibel und selbständig. Damit zeigst du, dass du durch erfolgreiches Selbstmanagement zu Höchstleistungen im Stande bist. Genau solche Mitarbeiter sind gefragt. Deine Weiterbildungsbereitschaft signalisiert: Du bist gewillt, Führungsaufgaben zu übernehmen. Ein Aufstieg bedeutet für dich ein größerer Verantwortungsbereich, Prestige und eine bessere finanzielle Vergütung. Allerdings ist das Fernstudium selbst eine Mammutaufgabe. Hier gilt es abzuwägen: Schaffst du es, dich vier bis sechs Jahre durchzubeißen? Hobbys, Freunde, Familie und Entspannung hintenan zu stellen? Das musst du in aller Ruhe überlegen.

Noch Fragen oder Anregungen zum Thema Fernstudium? Dann lass es uns gern in den Kommentaren wissen!


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