Knigge-Regeln zur Begrüßung: So punktest du beim Vorstellungsgespräch

Der erste Eindruck zählt bekanntlich. Das gilt auch beim Vorstellungsgespräch. Wer bereits die Begrüßung vermasselt, wird es schwer haben diesen Fauxpas wieder auszubügeln. Damit euch bei der Begrüßung kein Patzer unterläuft, möchten wir euch im Folgenden einmal mit den Knigge-Regeln zur Begrüßung vertraut machen!

Warum der erste Eindruck so wichtig ist

Ein Vorstellungsgespräch bietet natürlich genügend Gelegenheit, einen womöglich schlechten ersten Eindruck wieder wettzumachen. Und selbstverständlich wissen Personaler, dass viele Bewerber gerade zu Beginn eines Vorstellungsgesprächs mit großer Nervosität zu kämpfen haben und sich dies schon einmal suboptimal auf den ersten Eindruck auswirken kann. Dennoch bleibt gerade die Art und Weise der Begrüßung letztlich doch in den Köpfen der meisten Personaler verankert.

Das belegen auch diverse Studien, die zu dem Fazit gelangen, dass sich Personalreferenten bereits in den ersten Sekunden ein Bild von einem Bewerber machen. Demnach benötigt der erste Eindruck allenfalls 100 Millisekunden bis maximal 7 Sekunden, um sich zu manifestieren. Anschließend steht – so der gemeinsame Konsens dieser Studien – nahezu unveränderlich fest, wie man eine Person einschätzt, wer sympathisch oder vertrauenswürdig erscheint und wer nicht. Hier greift das allgemeine Prinzip des „Halo-Effektes“, das besagt, dass ein einziger positiver Stimulus alle anderen förmlich überstrahlt und mitreißt. Ist der erste Eindruck gut, wirkt sich dies somit positiv auf alles Weitere aus. Stimmt der erste Eindruck hingegen nicht, bleibt dies nachhaltig an dem Bewerber haften.

Susan Fiske von der Princeton Universität beschäftigte sich bei ihren wissenschaftlichen Untersuchungen ebenfalls mit der Wirkung des ersten Eindrucks. Sie fand heraus: Wenn sich zwei fremde Menschen das erste Mal begegnen, dann stellen sie sich insgeheim die folgenden zwei Fragen:

  1. Wie warmherzig ist dieser Mensch?
  2. Wie kompetent ist dieser Mensch?

Anhand dieser Fragen beurteilen wir im Kern und binnen Sekunden, wie freundlich, hilfsbereit, sozial und vertrauenswürdig bzw. wie intelligent, clever, kreativ und nützlich die Person ist, die uns gegenübersteht.

Diese erste Einschätzung läuft meist unbewusst ab und man kann sich kaum dagegen wehren. Und ist der erste Eindruck erst einmal entstanden, ist es schwierig, ihn wieder zu korrigieren. Gerade im Vorstellungsgespräch ist ein perfekter erster Eindruck daher besonders wichtig. Schließlich gilt es genau jetzt, den Personaler von den eigenen Qualitäten zu überzeugen.

Es gibt nun einmal in der Tat keine zweite Chance für den ersten Eindruck.

Die Knigge-Regeln zur Begrüßung

Der erste Eindruck ist also auch – oder gerade – beim Vorstellungsgespräch essentiell. Einer bekannten Studie des US-Psychologen Albert Mehrabian aus dem Jahr 1967 zufolge hängt der erste Eindruck hierbei…

  • …zu 55 Prozent von unserer Körpersprache ab (Kleidung, Mimik und Gestik)
  • …zu 38 Prozent von der Stimme ab (Tonfall und die Art, wie man etwas sagt)
  • …zu 7 Prozent davon ab, was man sagt.

Zwar gilt diese Studie inzwischen als überholt und sogar Mehrabian selbst weist z.B. auf seiner Homepage explizit darauf hin, dass seine Ergebnisse falsch gelesen und fälschlicherweise auf zwischenmenschliche Kommunikation als Ganzes übertragen wurden. Dennoch belegt die Studie (lässt man die exakten Prozentzahlen außer Acht) recht anschaulich, dass sich grundsätzlich mehrere Faktoren darauf auswirken, wie man von anderen wahrgenommen wird. Entscheidend für eine gelungene Kommunikation ist nämlich in der Tat die Kongruenz dieser bei Mehrabian aufgelisteten einzelnen Faktoren. Denn: Sprache, Stimme und Körper gehören untrennbar zusammen und wirken gemeinsam. Die gewünschte positive Wirkung bei der Begrüßung erzielt man also nur, wenn die nonverbale Kommunikation durch Stimme und Körper mit dem gesprochenen Inhalt übereinstimmt.

Um einen perfekten ersten Eindruck zu machen, sollten sich Bewerber daher bereits im Vorfeld Gedanken über ihre gesamte Selbstpräsentation (Körpersprache, Stimme, was man sagen möchte etc.) im Vorstellungsgespräch machen – und zwar angefangen beim richtigen Auftreten bei der Begrüßung. Denn, wie bereits erwähnt, können bei einem Vorstellungsgespräch gerade die ersten Sekunden unter Umständen ausschlaggebend für den Erfolg sein. Wer bei der Begrüßung überzeugt, nutzt den „Halo-Effekt“ in positiver Weise für sich.

Aber wie sollte man die Begrüßung gestalten? Reicht ein kurzes Zunicken, ein freundliches „Hallo“ oder sollte es ein kräftiger Handschlag sein? Worauf gilt es bei der Körpersprache zu achten? WAS sollte man sagen und WIE? Das verraten wir euch jetzt!

Die generellen Knigge-Empfehlungen zur Begrüßung:

Die Regeln, die Adolph Knigge im Jahr 1790 aufstellte, haben bis heute Gültigkeit. Besonders im geschäftlichen Umgang spielt Knigge-konformes Verhalten eine wichtige Rolle. Es wird daher auch vorausgesetzt, dass Bewerber mit den Knigge-Regeln vertraut sind.

Knigge empfiehlt generell, sich bei einem ersten Kennenlernen mit dem Namen vorzustellen. Denn: Das ist sympathisch und schafft eine persönliche Atmosphäre. Anschließend folgt ggf. der Handschlag, der nicht zu fest und nicht zu lasch sein sollte. Während des Handschlags gilt es, Blickkontakt zu halten. Nach etwa zwei bis drei Sekunden sollte man die Hand des Gegenübers wieder loslassen.

Summa summarum sollte man freundlich, aufgeschlossen und selbstbewusst auftreten.

So weit zu den generellen Empfehlungen. Worauf es im Einzelnen zu achten gilt, dazu kommen wir jetzt!

Die konkreten Knigge-Empfehlungen zur Begrüßung:

1.) Der Rangniedere grüßt den Ranghöheren

Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, fängt in der Regel „klein“ an. Daher sollte man als Bewerber auch immer als erstes grüßen. Sobald man den Raum betritt, sollte man sich den Gesprächsführenden zuwenden und mit der Begrüßung beginnen.

Überhaupt sollte laut Knigge immer die Person, die den Raum betritt, zuerst grüßen. Und bei einem Vorstellungsgespräch ist dies nun einmal in der Regel der Bewerber.

2.) Einen Gruß mit dem gleichen Wortlaut entgegnen

Sollte der Gesprächsführende jedoch zuerst die Initiative ergreifen und grüßen, gilt es den Gruß möglichst mit dem gleichen Wortlaut zu erwidern. Auf ein „Guten Morgen“ sollte daher auch ein „Guten Morgen“ folgen etc.

3.) Selbstvorstellung parat haben

Es ist sympathisch, sich kurz mit Namen vorzustellen (z.B. „Guten Morgen, mein Name ist XY“). Eine kurze Selbstvorstellung schafft, wie bereits erwähnt, eine persönliche Atmosphäre und wirkt sich positiv auf das Bild aus, das andere von einem gewinnen.

4.) Der Ranghöhere entscheidet, ob es zum Händeschütteln kommt

Wohingegen der Rangniedere den Ranghöheren zuerst grüßen sollte, entscheidet der Ranghöhere, ob es zu einem Händeschütteln kommt. Wird die Hand gereicht, sollte man sie IMMER entgegennehmen.

In der Regel kommt es bei Vorstellungsgesprächen fast immer zum Händeschütteln. Daher sollte man die Hände möglichst warm und trocken halten (auch wenn dies bedingt durch die Nervosität natürlich schwer ist). Und: Niemand mag „tote Fische“ anpacken. Der Handschlag sollte daher eher fester sein, nicht zu lasch. Aber: Natürlich sollte man die Hand des Gegenübers auch nicht quetschen. Ein zu fester Händedruck kann nämlich als Zeichen von Dominanz und Unsensibilität gedeutet werden.

Tabu ist es außerdem, beim Handschlag eine Hand in der Hosen- oder Jackentasche zu lassen. Wer glaubt dadurch mit Coolness punkten zu können, täuscht sich. Und ganz wichtig: Auch wenn es Händeschütteln heißt, sollte man die Hand nur reichen, niemals wirklich schütteln!

5.) Offene Körperhaltung einnehmen und lächeln

Zu einer gelungenen Begrüßung gehören auch eine entsprechende Körperhaltung und eine positive Mimik. Schließlich sind sowohl die Körperhaltung als auch die Mimik, wie bereits erwähnt, für den ersten Eindruck ebenfalls von großer Bedeutung.

Knigge empfiehlt, der Begrüßung stets ein nettes Lächeln vorauszuschicken. Außerdem sollte man immer eine offene Körperhaltung einnehmen. Auf keinen Fall sollte man also z.B. die Arme vor der Brust verschränken oder die Hände hinter dem Rücken oder in den Hosentaschen verstecken!

6.) Blickkontakt halten

Blickkontakt ist ebenfalls essentiell, um einen guten ersten Eindruck zu machen. Denn: Der direkte Augenkontakt wirkt ehrlich, zeugt von Respekt und fördert die Kommunikationsbereitschaft.

Weicht man dem Blick des Gegenübers aus, vermittelt man hingegen den Eindruck, etwas im Schilde zu führen, unehrlich oder unsicher zu sein.

7.) Kommen weitere Personen hinzu, immer zur Begrüßung aufstehen

Sitzt man bereits und eine weitere Person stößt zum Vorstellungsgespräch dazu, sollte man zur Begrüßung dieser Person erneut aufstehen. Das gilt übrigens sowohl für Männer als auch für Frauen!

Fazit

Der erste Eindruck zählt – auch beim Vorstellungsgespräch. Daher sollte man der angemessenen Begrüßung eben auch bei der Vorbereitung eines Vorstellungsgesprächs die nötige Aufmerksamkeit schenken und sich mit den Begrüßungsregeln des Business-Knigge vertraut machen. Wer bei der Begrüßung alles richtig macht, kann beim Personaler schließlich von Anfang an punkten.

Tritt man hingegen bereits bei der Begrüßung in ein Fettnäpfchen, wird es schwer im weiteren Gesprächsverlauf wieder an Boden gutzumachen. Denn: Gute Umgangsformen gewinnen heutzutage wieder mehr an Stellenwert – insbesondere im Businessbereich!

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