15 fiese Fangfragen im Vorstellungsgespräch

Anfangs läuft alles gut. Die Atmosphäre beim Vorstellungsgespräch ist freundlich und entspannt. Man hat Small Talk gemacht, die wichtigsten Stationen aus dem Lebenslauf abgeklopft, Stärken und Erwartungen erörtert. Und dann kommen sie, die fiesen Fragen. Hier erfährst du, wie Personaler versuchen, dich aus der Ruhe zu bringen, und wie du die Klippen geschickt umschiffst.

Fiese Fangfragen im Vorstellungsgespräch sollen dich aus der Reserve locken. Personaler wissen, dass du dich ausgiebig auf diesen wichtigen Termin vorbereitet hast. Du trägst ein perfektes Outfit. Deine Bewerbungsunterlagen sind stimmig. Dein Auftreten ist souverän. Bis jetzt. Auf sämtliche Standardfragen konntest du Antworten vorbereiten. Allerdings interessiert gerade bei Bewerbungen für Führungspositionen, wie du mit Stress umgehst. Bist du spontan? Kreativ? Kannst du weiterdenken? Oder verlierst du womöglich unter Druck die Fassung?

Du kannst dich nicht auf jede mögliche Frage vorbereiten. Aber wenn du einschätzen kannst, was dich in etwa erwartet, bist du dennoch gut gewappnet. Denn die Fragen wiederholen sich in dieser oder ähnlicher Form.

3 allgemeine Tipps für fiese Fangfragen beim Vorstellungsgespräch

  1. Antworte spontan, aber nicht wie aus der Pistole geschossen. Nimm dir einen Moment Zeit zum Überlegen. Das strahlt Souveränität aus.
  2. Halte deine Antwort knapp, aber sympathisch und pfiffig. Ein charmantes Lächeln sollte ebenfalls nicht fehlen.
  3. Vermeide bei vermeintlichen Entscheidungsfragen eine klare Position.

12 fiese Fangfragen und 12 gute Antworten

1. „Arbeiten Sie lieber allein oder im Team?“

Fangfrage! Scheinbar handelt es sich um eine Entweder-Oder-Frage. Wer hier zu schnell reagiert, schießt sich ins Aus. Angenommen, du sagst, dass dir Teamarbeit wichtig sei. Dann kannst du als nächstes mit dem Vorwurf der Unselbständigkeit rechnen. Positionierst du dich als Einzelkämpfer, giltst du automatisch als nicht teamfähig. Beides ist schlecht. Beides drängt dich in die Enge. Mach es wie die Politiker: Antworte schwammig. Dabei solltest du allerdings ehrlich bleiben.

Gute Antwort:
„Das ist abhängig von der jeweiligen Situation. Beides hat Vor- und Nachteile. Es gibt Aufgaben, die sich im Team am effektivsten erledigen lassen. Muss ich mir allerdings viel Wissen aneignen, schaffe ich das in Eigenregie schneller.“

2. „Halten Sie bei einem Konflikt zu Ihrem Chef oder zu Ihren Kollegen?“

Auch bei dieser Frage solltest du keine eindeutige Position beziehen. Letztendlich kommt es auf die konkrete Situation an. Sagst du: „Zum Chef!“ kommt als nächstes der Einwand, dass dieser Unrecht haben könnte. Dann wirkst du wie ein Schleimer oder Duckmäuser, der sich nicht traut, seine Meinung zu vertreten. Ebenso wenig kannst du dich blind auf die Kollegen berufen. Die können sich ebenso in eine Idee verrennen. Nimm lieber eine vermittelnde Haltung ein.

Gute Antwort: „Das ist mir bisher noch nie passiert. Wenn es um die Unternehmensziele geht, sollten Chef und Mitarbeiter unbedingt an einem Strang ziehen. Bei unterschiedlichen Sichtweisen setzt man sich am besten zusammen und spricht in Ruhe über das Problem. Es gibt für jeden Konflikt Kompromissmöglichkeiten und Lösungen.“

3. „Sie haben sich doch sicher noch bei anderen Unternehmen beworben oder? Wenn Sie von einem anderen Konzern und uns eine Zusage bekommen, wo gehen Sie hin?“

Jeder vernünftig denkende Mensch weiß, dass Jobsuchende nicht nur eine einzige Bewerbung verschicken. Das wäre höchst unklug. Trotzdem möchte der Personaler am liebsten einen motivierten Mitarbeiter einstellen, der für den eigenen Betrieb „brennt“. Er will an dieser Stelle noch einmal hören, warum du dich für sein Unternehmen entschieden hast.

Gute Antwort: „Ich habe mich bei mehreren Betrieben beworben, das stimmt. Aber mein Wunschunternehmen ist dieses. Wenn ich von anderer Stelle und von Ihnen ein Jobangebot bekomme, fällt meine Wahl auf jeden Fall auf dieses, weil…“ und hier sollten dann ein paar handfeste Gründe folgen. Vielleicht gefällt dir die internationale Ausrichtung, vielleicht sind die Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen verlockend.

4. „Wie wichtig ist Geld für Sie?“ / „Welche Rolle spielt Geld für Sie?“

Das ist eine offene fiese Fangfrage im Vorstellungsgespräch, mit der Personaler ausloten wollen, ob du als Führungskraft geeignet bist. Geld darf dir wichtig sein. Es sollte allerdings nicht der einzige Grund für deine Bewerbung sein. Für Menschen in Führungspositionen stellt Geld ein wichtiges Statussymbol dar. Das ist allgemein bekannt. Dementsprechend brauchst du nicht verbergen, dass du Wert auf eine leistungsgerechte finanzielle Entlohnung legst. Verkauf dich nicht unter Wert. Rechne damit, dass als nächstes nach deinen finanziellen Vorstellungen gefragt wird. Pokere ruhig etwas höher! Schließlich willst du dich verbessern. Dadurch wirkst du ambitionierter und wirst automatisch ernster genommen.

Gute Antwort: „Geld zeigt die Anerkennung für meine beruflichen Leistungen und meinen beruflichen Einsatz. Die Höhe meines Lohns sollte eine angemessene Gegenleistung für meine Arbeit darstellen.“

5. „Seien Sie mal ehrlich, eigentlich ist der Job doch eine Nummer zu groß für Sie.“ / „Sind Sie für diesen Job nicht viel zu unerfahren?“

Lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Bleib souverän und gelassen. Du sitzt als potentieller Kandidat für deinen Traumjob im Vorstellungsgespräch, weil die anvisierte Stelle perfekt zu deiner Qualifikation passt. Wären deine Referenzen und Erfahrungen nicht ausreichend, wärst du nicht eingeladen worden. Mit dieser fiesen Fangfrage im Vorstellungsgespräch will der Personalverantwortliche zum einen deine Stressresistenz testen. Zum anderen gibt er dir damit die Gelegenheit, mit deinen Stärken zu punkten.

Gute Antwort: „Diese Stelle ist genau das, was ich will. Der Job passt zu meiner fachlichen Qualifikation und meinen persönlichen Fähigkeiten. Deswegen haben Sie mich schließlich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich bin der Richtige für diese Position, weil…“ und dann nennst du selbstbewusst deine Stärken und untermauerst sie mit anschaulichen Beispielen. Lass dir die Butter nicht vom Brot nehmen!

6. „Warum wollen Sie Ihren bisherigen Job nicht mehr machen?“ / „Aus welchem Grund wechseln Sie das Unternehmen?“

Hier wird geprüft, ob du deinem bisherigen Arbeitgeber gegenüber loyal bleibst. Mach nicht den Fehler, haarklein von allem zu berichten, was dir in deinem bisherigen Job nicht gefallen hat. Erkläre den Berufswechsel lieber mit neuen Karrierechancen. Vielleicht reizt dich die Möglichkeit eines Auslandseinsatzes. Oder du wünscht dir mehr Verantwortung. Lass keinen Zweifel an deiner Solidarität aufkommen. Der Personalverantwortliche überlegt nämlich bereits weiter: Wie wirst du über sein Unternehmen sprechen, falls du es in ein paar Jahren wieder verlässt?

Gute Antwort: „Ich habe in meinem bisherigen Unternehmen sehr viel gelernt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Aber mich reizt die Chance, meine Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Außerdem gefällt mir der größere Verantwortungsbereich.“

7. „Wenn Sie in sechs Jahren diesen Job kündigen, was sollen Kollegen dann über Sie sagen?“

Diese Frage verwirrt die meisten Bewerber. Sie haben die Stelle noch nicht einmal bekommen und sollen schon überlegen, wie es nach ihrer Kündigung wäre. Hinter dem Sprung in die Zukunft steckt die Frage nach deiner Motivation und nach deinen Stärken. Was treibt dich zu dem Unternehmen? Wirst du richtig Gas geben? Welche Fähigkeiten und Soft Skills bringst du ein. Bei der Antwort wirst du von selbst auf das zu sprechen kommen, was dir am meisten liegt. Es sollte möglichst zu deiner Wunschstelle passen und das Unternehmen weiterbringen.

Gute Antwort: „Es ist ein echter Verlust, [Name] zu verlieren. Er hat sich mit Leistungsbereitschaft und Kreativität für das Unternehmen stark gemacht. In stressigen Situationen ist er immer ruhig und besonnen geblieben.“

8. „Warum sollten wir Sie besser nicht einstellen?“

Achtung, hier solltest du noch sofort mit einer Aufzählung deiner Schwächen anfangen. Genau das steckt zwar in dieser Frage. Es wäre aber unklug, in aller Ausführlichkeit deine Negativpunkte und Schwächen zu nennen. Antworte charmant und leite dann auf deine Stärken über.

Gute Antwort: „Dazu kann ich leider nichts sagen. Ich möchte Ihnen eher erklären, warum Sie mich unbedingt einstellen sollten.“ Und dann nennst du deine Stärken und veranschaulichst sie mit aussagekräftigen Beispielen.

9. „Was war bisher Ihr größter Misserfolg und wie sind Sie damit umgegangen?“

Hier steht dein Umgang mit Schwächen, Krisen und Fehlern auf dem Prüfstand. Gleichzeitig kannst du aus einem Misserfolg problemlos eine Stärke machen. Dazu musst du zeigen, wie du das damalige Problem gelöst hast. Wähle etwas, wobei du tatsächlich im Nachhinein gut dastehst. Halte dich nicht zu lange mit deinem Fehler oder Versagen auf. Lege den Hauptakzent auf die Verbesserung. Das zeigt, dass du deine Schwächen erkennst und gezielt daran arbeitest.

Gute Antwort: „Ich musste während des Studiums im Plenum einen Vortrag halten und hatte einen Blackout. Danach habe ich einen Rhetorik-Kurs belegt und gelernt, wie man Präsentationen optimal vorbereitet. Um ruhiger zu werden, habe ich das Sprechen vor anderen trainiert. Mir ist das nie wieder passiert. Heute genieße ich es, als Redner vor Publikum zu stehen und mein Wissen weiterzugeben.“

10. „Sie bekommen eine Kiste voller Bleistifte. Nennen Sie 10 Dinge, die sie damit machen können!“

Kreativitäts- und Brainstorming-Fragen wie diese sollen zeigen, wie kreativ zu bist. Wer hier einsilbig mit: „Schreiben!“ antwortet, wirkt nicht, als sei er besonders auf Zack. Lass deiner Fantasie freien Lauf. Die Antworten müssen nicht zwingend nur berufsbezogen sein. Es ist ein Pluspunkt, um die Ecke denken zu können.

Gute Antwort: „Man kann die Bleistifte mit dem Firmenlogo versehen und sie als Giveaways auf einer Messe verteilen. Man kann sie als Lockenwickler zweckentfremden. Man kann sie aneinander leimen und daraus ein Gefäß für andere Stifte machen. Man kann daraus ein Floß bauen.“ usw. Diese Fragen gibt es ganz unterschiedlicher Form immer wieder.

11. „Wie finden Sie es, kritisiert zu werden?“

Niemand wird gern kritisiert. Schon gar nicht, wenn es zu Unrecht oder auf unsachliche Weise passiert. Die Antwort: „Das stört mich nicht“ würde dir also niemand glauben. Antworte ruhig ehrlich. Es kommt darauf an, wie Kritik vorgebracht wird. Ist sie berechtigt, kann man daraus lernen und daran wachsen.

Gute Antwort: „Kritik ist im ersten Moment immer unangenehm. Kein Mensch macht gern Fehler. Aber konstruktive Kritik hilft mir dabei, mich zu verbessern. Wenn Kritik sachlich geäußert wird, denke ich darüber in Ruhe nach. Das ist wichtiges Feedback für mich.“

12. „Wann haben Sie das letzte Mal gegen eine Vorschrift oder eine Regel verstoßen und warum?“

Das ist eine wirklich fiese Fangfrage im Vorstellungsgespräch. Du darfst nicht wirken wie Dirty Harry („Das Gesetz bin ich!“). Kritiklos jeder Regel zu folgen, lässt Zweifel an deinem Engagement aufkommen. Wer den Mut hat, die Regeln bei Bedarf ein bisschen zu dehnen und zu strecken, bringt es beruflich oft weiter. Der Interviewer will hier herausbekommen, ob du dich in das Unternehmen einfügst. Brichst du Regeln oft? Oder nur, wenn ein triftiger Grund vorliegt?

Gute Antwort: „Es ist eine ungeschriebene Regel, dass man seinen bisherigen Job nicht kündigen sollte, bevor man einen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche hat. Damit habe ich schon einmal gebrochen. Das hat meiner Karriere eine neue Richtung gegeben.“

Psychofragen als besonders fiese Fragen im Vorstellungsgespräch

Besonders schwer zu beantworten, sind Psychofragen. Oft wird zusätzlich eine Begründung erwartet. Hier sind Spontaneität und Kreativität gefragt.

13. „Wenn Sie ein Verkehrsschild wären, was wären Sie dann?“

Schlechte Antwort: „Ein Stoppschild“. Niemand will einen Bremser im Team. „Vorfahrt achten!“ wirkt nicht besonders sympathisch. „Zone 30“ klingt wie mit halber Kraft unterwegs sein.

Gute Antwort: „Ein Autobahnschild“. Das signalisiert, dass du Vollgas gibst. „Das Ortschild von [Name der Stadt, in der du arbeitest] veranschaulicht deine regionale Verbundenheit.

14. „Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Küchenmaschine. Was sind Sie?“

Schlechte Antwort: „Ein Fleischwolf“. Das spricht nicht für einen umgänglichen Menschen. Wer hier: „eine Mikrowelle“ antwortet, wirkt wie jemand, der nur alte Ideen aufwärmt, statt etwas Neues beizutragen.

Gute Antwort: „Ein Gasherd“. Darauf wird schnell und professionell das leckerste Essen zubereitet.

15. „Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Superheld. Welcher sind Sie?“

Schlechte Antwort: „Superman“, denn das wirkt doch eine Spur zu selbstüberzeugt. Der Mann aus Stahl ist nahezu unbesiegbar. „Batman“ hat einen eher düsteren Anstrich. Etwas Optimismus sollte der selbst gewählte Held schon versprühen.

Gute Antwort: „Spiderman“. Er erklimmt die höchsten Gebäude, und wenn er mal zu fallen droht, wirft er sein Netz aus und springt zum nächsten Wolkenkratzer.

Auch unzulässige Fragen können gestellt werden. Dazu zählen Fragen nach deiner Familienplanung, deiner politischen Gesinnung oder deiner Konfession. Diese musst du nicht wahrheitsgemäß beantworten. Du kannst sie geschickt umschiffen. Zum Thema „Familienplanung“ kannst du erklären, dass für dich jetzt die Karriere an erster Stelle steht. Zum Thema „Politik“ kannst du kurz darauf eingehen, wie wichtig dir politische Teilhabe ist und dass du mit deiner Stimme selbstverständlich eine der etablierten Parteien unterstützt (ohne zu sagen, welche). Zu Konfession kannst du philosophisch erklären, dass jeder irgendetwas glaubt. Für dich zähle momentan besonders der Glaube an deine beruflichen Ziele. Du steckst deine gesamte Energie in deine Karriere.

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